Neoklassizistische Marmorskulptur, Amor und Psyche in inniger Umarmung, mit fein ausgearbeiteten, zarten Details.
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Amor und Psyche: Antonio Canovas unsterbliche Skulptur

Eine meisterhafte Ode an die Liebe: Antonio Canovas ikonische Skulptur von Amor und Psyche fesselt bis heute.

A

Arthur

Historische Kuration

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Diese berühmte Skulptur des venezianischen Künstlers Antonio Canova erzählt eine der schönsten Liebesgeschichten der griechischen Mythologie: Amor (Eros) und Psyche.

Psyche war eine junge Frau von atemberaubender Schönheit, allseits bewundert. Afrodite, die Göttin der Liebe, war eifersüchtig auf ihre Anmut. Sie befahl ihrem Sohn Eros (Amor), Psyche mit einem Pfeil zu treffen, sodass diese sich in das abscheulichste Wesen auf Erden verlieben sollte. Doch Afrodite hatte nicht damit gerechnet, dass Eros selbst den Pfeil nicht abfeuern würde. Stattdessen verliebte er sich in Psyche.

Nach einer Romanze voller Höhen und Tiefen, von Trennung und Wiederfinden, enden sie doch glücklich. Zeus selbst gab seine Erlaubnis für ein gemeinsames Leben auf dem Olymp – ein höchst seltenes Happy End unter mythologischen Gestalten.

Canova und die Quelle seiner Inspiration

Der venezianische Meister investierte beträchtliche Mühe in die komplexe Komposition dieses Werkes. Unzählige Zeichnungen, Ton- und Gipsmodelle zeugen von seinem akribischen Schaffensprozess.

Möglicherweise fand Canova seine Anregung teilweise in einem Bildfund aus der antiken Stadt Herculaneum. Deren Wiederentdeckung und Ausgrabung, zusammen mit der von Pompeji einige Jahrzehnte zuvor, entfachte europaweit die neoklassizistische Bewegung aufs Neue.

Dieses Bild, 1757 als Stich veröffentlicht, zeigt einen Faun und eine Bacchantin in einer Umarmung – Posen, die sich im von Canova dargestellten Liebespaar widerzuspiegeln scheinen.

Doch die Geschichte birgt ein kurioses Detail:

Canova veredelte und idealisierte dieses Ursprungsmaterial. Er verlieh seinen Figuren die schlanken Formen und die heitere Ausstrahlung klassischer Skulpturen, von denen er sich inspirieren ließ.

Die verschlungenen und ausbalancierten Arme, Beine und Flügel des Paares erzeugen eine dynamische, aufwärtsstrebende Komposition. Diese lässt sich nicht von einem einzigen Standpunkt aus vollständig erfassen; sie offenbart ihre Schönheit erst aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die haptischen Wunder der Skulptur

Die von Canova geschaffenen, facettenreichen haptischen Qualitäten und Oberflächentexturen – von der zarten Haut über die transparenten Schleier bis hin zu Amors kraftvollen, teils durchscheinenden Flügeln – belegen seine außergewöhnliche Meisterschaft im Umgang mit Marmor. Ein wahres Zeugnis seiner Fertigkeit!

Canova schuf zwei leicht voneinander abweichende Versionen dieser Komposition.

Die erste, im Auftrag eines Briten entstanden, wurde später von Napoleons Schwager erworben und ist heute im Louvre, Paris, zu bestaunen.

Die zweite Fassung fertigte er für Fürst Nikolaus Jussupow an; sie befindet sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg.

Den Gipsabdruck erbte Canovas Assistent Adamo Tadolini. Er nutzte ihn, um weitere Kopien der Gruppe anzufertigen.

Eingesetzte Metallstifte auf der Oberfläche halfen dem Bildhauer, die komplexe Form der Gipsgruppe auf den Marmorblock zu übertragen, aus dem die Skulptur gemeißelt wurde.

Die anmutige, erlesene Schönheit dieser Arbeit setzte Maßstäbe für Canovas raffinierten, eleganten Stil. Tatsächlich überstrahlte dieser Teil seines Schaffens bisweilen seine Darstellungen heroischer Figuren und Denkmäler für Persönlichkeiten von Rang.

Amor (Eros) und Psyche. Antonio Canova. 1793 – Marmor ( 1,55 x 1,68 m ) – Standort: Louvre, Paris


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