
Biografie von Jean-Honoré Fragonard
Biografie von Jean-Honoré Fragonard
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Jean-Honoré Fragonard, ein französischer Maler, lebte im 18. Jahrhundert. Er schuf seine Werke vornehmlich in den Jahren, die von den exzessivsten Ausschweifungen des französischen Adels geprägt waren, kurz vor der Französischen Revolution.
Man hält ihn für den geistreichsten unter den späten Rokokomalern, ja, für einen der kultiviertesten Künstler des gesamten Jahrhunderts.
Seine Arbeiten fangen die Lebensfreude, die schwerelose Anmut und jene besondere Eleganz ein, die diesen einzigartigen Stil des Künstlers ausmachen.
BIOGRAFIE
Jean-Honoré Nicolas Fragonard erblickte am 5. April 1732 in Grasse, einem malerischen Ort an der Côte d'Azur in Frankreich, das Licht der Welt.
Er entstammte einer Familie mit künstlerischem Flair: Sein Vater war Parfümeur, der Großvater mütterlicherseits Maler.
Bereits mit sechs Jahren zog die Familie ins pulsierende Paris. Dort begann der junge Fragonard später als Notar in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten.
Man entließ ihn prompt. Der Grund? Ständiges Zeichnen statt gewissenhafter Arbeit.
1747 erfüllte sich sein sehnlichster Wunsch nach einer fundierten künstlerischen Ausbildung: Er trat als Lehrling in das Atelier des angesehenen Malers Jean-Baptiste-Siméon Chardin ein.
Als äußerst hingebungsvoller Lehrling machte er rasch Fortschritte. Schon im darauffolgenden Jahr wechselte er in das Atelier von François Boucher, dem damals berühmtesten Rokokokünstler.
In jener Zeit verbrachte er etliche Jahre in Italien und fand Aufnahme an der Königlichen Akademie für Malerei und Bildhauerei.
Obwohl seine Lehrer ihn als wenig ausdrucksstark empfanden, nutzte er die Zeit ausgiebig. Er zeichnete sich quer durch das italienische Hinterland, fing berühmte Gärten ein und verfeinerte dabei seinen pastoralen Stil.
1765 kehrte er nach Paris zurück und wurde in die Königliche Akademie aufgenommen. Dort widmete er sich zunächst eher verhalten der Produktion szenischer Gemälde, die auf seinen während des Italienaufenthalts verinnerlichten Landschaftsstudien basierten.
Zwischen 1765 und 1770 gelang Fragonard der eigentliche Durchbruch; er avancierte zu einem gefeierten Künstler. Anfänglich schuf er fantasievolle, suggestive und erotische Porträts bedeutender Persönlichkeiten der Stadt.
Seine Werke aus dieser Zeit verkörperten seinen unverkennbaren Stil: Pastellfarben, ein flinker Pinselstrich, der den Bildern eine unmittelbare Lebendigkeit verlieh, und eine silbrige Lichtführung. In dieser Phase vollendete er seine erotischen Meisterwerke, darunter „Die Schaukel“, die das Rokoko-Empfinden geradezu atmen.
Obgleich französische Aufklärungsphilosophen wie Denis Diderot seine Werke als in peinlicher Weise töricht geißelten, erhielt der Künstler dennoch zahlreiche Aufträge.
Und selbst wenn öffentliche Aufträge ausblieben, trudelten private Anfragen ein, besonders von Madame du Barry, der berüchtigten Mätresse Ludwigs XV.
1773 heiratete Fragonard Marie-Anne Gérard, eine Miniaturmalerin.
Ihnen wurde eine Tochter geboren, Rosalie, die rasch zu seinem bevorzugten Modell avancierte. Er schuf eine Reihe von Porträts lesender Mädchen, wobei Rosalie bis zu ihrem frühen Tod mit etwa 19 Jahren für ihn posierte.
Später kam noch ein Sohn hinzu, Alexandre-Évariste, der ebenfalls Künstler wurde.
Im Jahr 1789, in der wohl turbulentesten Phase der Französischen Revolution, löste sich Fragonards wichtigster Kundenstamm quasi über Nacht auf – unter der unbarmherzigen Klinge der Guillotine.
Da in Paris keinerlei Geschäfte mehr liefen, zog er mit seiner Familie in die Provence, um dort die dunklen Tage abzuwarten.
Er war jedoch kein Mann, der sich geschlagen gab. Nur ein Jahr später kehrte der Künstler nach Paris zurück und spielte eine entscheidende Rolle bei der Zusammenarbeit mit der neuen Regierung, um das Nationalmuseum im Louvre mitzugestalten.
Fragonard zählt zu den letzten großen Exponenten des Rokoko, jenes Kunststils, der in den 1780er-Jahren vom Neoklassizismus abgelöst wurde.
Obwohl sein Stil aus der Mode geriet, wurden seine Werke im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Seither schätzt man sie zutiefst für ihre Zartheit, Sinnlichkeit und Schönheit.
Fragonard starb 1806 in Paris. Sein Œuvre bleibt bis heute ein bedeutender Einfluss in der französischen und europäischen Kunstgeschichte.
Seine Porträts machten ihn zum bewunderten Vorbild der modernen Impressionisten. Zufällig ist die impressionistische Malerin Berthe Morisot sogar eine Nachfahrin seiner Familie.
GALERIE - KOMMENTIERTE KUNSTWERKE
Seine bekanntesten Werke spiegeln seine einzigartige Fähigkeit wider, die Schönheit, Eleganz und Sinnlichkeit des aristokratischen Lebens jener Epoche einzufangen.
Die Schaukel – Dieses Gemälde, weithin als sein Meisterwerk betrachtet, erscheint auf den ersten Blick wie ein unschuldiges Bild eines spielenden jungen Mädchens. Doch rasch wird deutlich: Die Szene ist bewusst pikant, ja, geradezu schelmisch angelegt.













