
Der Gelbe Mann - Anita Malfatti
Der Gelbe Mann - Anita Malfatti
Begleiten Sie uns bei der Betrachtung von Anita Malfattis fesselndem Werk „Der Gelbe Mann“. 1915 gemalt, markiert dieses Gemälde einen Meilenstein des Expressionismus in Brasilien. Es zeigt einen Mann mit intensiv gelber Haut, inmitten einer rätselhaften, düsteren Kulisse.
Malfattis kühne Pinselstriche und leuchtende Farben erzeugen eine Stimmung voller Emotion und Spannung.
Dieses Werk zählte 1917, während der damals bekannten Modernen Kunstwoche, zu den meistdiskutierten, da es die ästhetischen Normen der Zeit herausforderte.
Ein Werk, das Konventionen bricht
Dies ist die zweite Fassung; die erste entstand in den Vereinigten Staaten, während Anita dort studierte.
Sie wurde in Kohle und Pastell ausgeführt, trug denselben Titel und hatte nahezu die gleichen Maße.
Das Gemälde ist ein Porträt, das laut Anita einen armen, ausgegrenzten und unbekannten Mann darstellt – einen italienischen Einwanderer, der sie bat, ihn zu malen, mit einem „verzweifelten Ausdruck“.
Sein Blick, vage und fern, birgt eine tiefe Melancholie.
Obwohl er elegant in Anzug und Krawatte gekleidet ist, wirkt sein Sakko abgenutzt und sitzt unbeholfen auf dem verdrehten Körper, die Grenzen der Leinwand überschreitend – ein typisches Merkmal der Malerin.
Seine dunklen Augen sind von schwarzen Konturen umrahmt, mit dicken, zirkumflexförmigen Augenbrauen.
Anita stellte die Figur auf der Leinwand etwas unbeholfen dar, als säße sie ungemütlich auf einem scheinbaren Stuhl.
Im begrenzten Raum sind seine beiden Hände durch den Bildausschnitt abgeschnitten.
Sein Körper neigt sich nach rechts, der Kopf lehnt leicht nach links.
Die Arme sind angewinkelt.
Die Körperhaltung offenbart seine Anspannung.
Er wirkt bedrückt.
Die Angst des Mannes spürt man in seinem angespannten Ausdruck und in seinen Augen, die über die rechte Schulter blicken.
Sein nach rechts gewandtes Gesicht zeigt nur einen winzigen Teil seines gleichseitigen Ohrs.
Auch die Kleidung des Gelben Mannes offenbart seine Beklemmung.
Sein Sakko ist schief, das rechte Revers berührt beinahe sein Gesicht.
Die Krawatte schlägt eine leichte Rechtskurve über sein fleckiges, offensichtlich verschmutztes weißes Hemd.
Das Werk, das Kontroversen auslöste
Das Gemälde wurde von Mário de Andrade erworben, wie er es der Künstlerin versprochen hatte.
Titel: Der Gelbe Mann
Jahr: 1915-1916
Maße: 61 x 51 cm
Technik: Öl auf Leinwand
Standort: Sammlung des Instituts für Brasilianische Studien der Universität von São Paulo, Brasilien










