Schwarz-Weiß-Porträt des italienisch-brasilianischen Künstlers Lívio Abramo mit ernstem Ausdruck und direktem Blick.
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Lívio Abramo

Lívio Abramo

A

Arthur

Historische Kuration

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Lívio Abramo, ein Künstler von Rang und Namen, prägte die brasilianische Kunstszene maßgeblich. Seine Karriere? Vor allem glänzte er in der Druckgrafik. Doch Abramo war mehr: ein begabter Zeichner, Maler, sogar Wandmaler und nicht zuletzt ein hingebungsvoller Lehrer.

Seine Laufbahn besticht geradezu durch eine überraschende Bandbreite an Stilen und Techniken. Das spiegelte seine unermüdliche Neugier und seine sprühende Kreativität wider.

Im Jahr 1909 zog seine Familie nach São Paulo. Dort, am Liceu Dante Alighieri, hatte Lívio das seltene Glück, bei Enrico Vio zu lernen – einem Künstler und Lehrer, der Abramo, seinen außergewöhnlichen Begabungen gewahr, mit Nachdruck zu einer künstlerischen Karriere riet.

Schon als Kind offenbarte sich sein künstlerisches Talent. Seine Familie stand ihm auf diesem Weg stets zur Seite.

In den 1920ern entstehen Illustrationen für kleinere Zeitungen in São Paulo. Eine prägende Zeit! Hier stieß er nicht nur auf das Werk von Oswaldo Goeldi, sondern auch auf den deutschen Expressionismus.

Im Jahr 1926, ausgestattet mit der Erfahrung dieser frühen Jahre, schuf er seine ersten Druckgrafiken. Ein wichtiger Schritt.

Die Dreißigerjahre waren für Abramo eine Zeit intensiven Engagements. Er beteiligte sich lebhaft an künstlerischen und politischen Bewegungen, wurde zu einer treibenden Kraft des brasilianischen Modernismus und mischte sich in die damals brennenden Debatten um Kunst und Gesellschaft ein.

Künstlerisch prägte ihn Tarsila do Amaral, besonders in ihrer „antropophagischen Phase“. Politisch? Er gehörte der Kommunistischen Partei Brasiliens an, gerade in der Ära von Getúlio Vargas.

Diese politischen Überzeugungen sollten sein späteres Werk maßgeblich formen. Unverkennbar.

Die 1940er-Jahre standen ganz im Zeichen der Druckgrafik. Er widmete sich vor allem der Buchillustration. Für eine Serie, die er im Salão Nacional de Belas Artes präsentierte, gab es sogar einen Reisepreis ins Ausland. Eine Anerkennung seines Schaffens.

1951 führte ihn sein Weg nach Europa, genauer gesagt nach Paris. Dort vertiefte er seine Fertigkeiten in Metallstich und Holzschnitt. Ein Meister seiner Zunft, stets auf der Suche nach Perfektion.

1953 kehrte Abramo heim nach Brasilien. Er nahm an der 2. Kunstbiennale von São Paulo teil – und wurde als bester nationaler Druckgrafiker ausgezeichnet. Ein Triumph.

Abramo schuf Werke, die soziale und politische Anliegen in den Mittelpunkt rückten. Er hielt das Leben des brasilianischen Arbeiters fest, den Kampf für soziale Gerechtigkeit und die krassen Ungleichheiten seiner Zeit. Seine Kunst sprach Bände.

Über sein eigenes Schaffen hinaus wirkte er als bedeutender Kunstlehrer. Er unterrichtete an der Kunsthandwerksschule des Museu de Arte Moderna de São Paulo und später an der Universität von Brasília. Eine prägende Figur für Generationen.

Das Jahr 1962 brachte einen bedeutenden Wendepunkt: Die brasilianische Bundesregierung lud ihn ein, Teil der Kulturmission Brasilien-Paraguay zu werden. Er siedelte nach Paraguay über und übernahm dort die Leitung des Bereichs Bildende und Visuelle Künste. Eine neue Herausforderung.

Dort rief er das Institut für das Historische und Künstlerische Erbe Paraguays ins Leben. Ein bleibendes Denkmal.

Lívio Abramo verstarb am 26. April 1993 in Asunción, der Hauptstadt Paraguays.

Sein Vermächtnis für die brasilianische Kunst ist immens. Nicht nur durch sein Werk, sondern auch durch sein unermüdliches politisches und soziales Engagement. Eine Größe, die lange nachwirken wird.

GALERIE – WICHTIGSTE WERKE

Fabrikmädchen. Lívio Abramo. 1935

Fabrikmädchen. Lívio Abramo. 1935

Krieg-Angst. Lívio Abramo. 1937

Krieg-Angst. Lívio Abramo. 1937

Mulattin (aus der Serie Negras). Lívio Abramo. 1954

Mulattin (aus der Serie Negras). Lívio Abramo. 1954

Paraguay, Platz und Häuser. Lívio Abramo. 1964

Paraguay, Platz und Häuser. Lívio Abramo. 1964

Fest (Holzschnitt). Lívio Abramo. 1956

Fest (Holzschnitt). Lívio Abramo. 1956

Im Werk „Festa“ schöpft der Künstler aus dem reichen Fundus kultureller Eigenheiten Brasiliens. Vor allem die ausgelassenen Junifeste, mit ihren schwebenden Ballons, prasselnden Lagerfeuern und bunten Fähnchen, dienten ihm als Quelle. Stets mit einem wachen Auge für die sozialen und politischen Belange seiner Heimat, stellt Abramo hier sein tiefes Interesse am gewöhnlichen Menschen dar – ein Motiv, das in seinem gesamten Schaffen eine zentrale Rolle spielt.


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