
Camille Pissarro: Sein Erbe und die bekanntesten Werke
Ein Blick auf Camille Pissarros Leben, sein nachhaltiges Erbe und die Meisterwerke, die seinen Namen prägten.
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Pissarro, der 1903 in Paris verstarb, wurde oft als der „Vater des Impressionismus“ gefeiert. Eine Würdigung, die seinen immensen Einfluss auf die Entwicklung dieses Stils treffend beschreibt, auch wenn er quantitativ nicht der umtriebigste unter den Impressionisten war.
PISSARRO UND SEIN WERK
Von seinen frühen Jahren an, geprägt vom Realismus Corots und seiner Freundschaft mit Melbye, malte Pissarro hauptsächlich Landschaften. Im Laufe der Zeit entwickelte sich sein Stil zum Impressionismus. Dabei wählte er oft natürliche ländliche Szenen oder Momente aus dem bäuerlichen Alltag, manchmal auch Impressionen städtischer Straßen. Die Komposition seiner Leinwände wurde somit weniger formal, beinahe beiläufig, und konzentrierte sich ganz auf das Zusammenspiel des Lichts an einem spezifischen Ort, die Qualität der Farbe oder die besondere Atmosphäre des Augenblicks. Der aufkommende Impressionismus Pissarros versuchte, die Realität nicht durch eine exakte Wiedergabe von Szenen oder Landschaften festzuhalten, sondern vielmehr durch einen Ausdruck farbiger Spontaneität. Diese stilistische Neuausrichtung war für viele in der Kunstwelt revolutionär und ermutigte Kunstbetrachter, ihre Herangehensweise an die Kunstrezeption neu zu überdenken.
WERKE IM FOKUS
Blick auf L'Hermitage in Pontoise – Dies ist eines der wohl bekanntesten Werke Camille Pissarros. Das Bild zeigt eine geschwungene Straße in einem Dorf, auf der einige Menschen in schwerer Kleidung bei der Ernte arbeiten. Die Szenerie wirkt malerisch und schön, wird aber klar und ohne Sentimentalität dargestellt. Ein wichtiger Beitrag zum von Corot beeinflussten Realismus.

Die roten Dächer – Auf diesem Gemälde blicken wir auf eine kleine Ansammlung von Häusern inmitten der Bäume eines Obstgartens. Die Häuser scheinen das zentrale Motiv zu sein, doch das Spinnennetz aus Baumstämmen und Ästen hindert den Blick daran, klar auf ihnen zu ruhen. Sie versperren physisch unsere Sicht. Statt die Häuser deutlich zu erkennen, gleiten unsere Augen über die Oberfläche der Komposition.

Winter in Pontoise – Im Jahr 1879 erlebte Frankreich einen sehr strengen Winter. Pissarro verarbeitete dies in diesem und anderen Werken, die er in seinem Haus in Pontoise, nahe der Seine, malte. Gemeinsam mit anderen impressionistischen Malern widmete sich Camille Pissarro über seine gesamte Karriere hinweg dem Thema Schnee; etwa hundert Gemälde entstanden dazu.

Landschaft in Chapponval – Pissarro treibt hier die Bildung horizontaler Streifen auf die Spitze. Statt eine Illusion von Realität und Tiefe zu vermitteln, wirkt das Gemälde in seiner Komposition beinahe abstrakt. Die aus Feldern, Häusern und Himmel bestehenden Streifen scheinen fast übereinander gelagert zu sein, ähnlich den Figuren eines mittelalterlichen Wandteppichs. Auch die menschlichen Figuren spielen eine besondere Rolle, verlieren sich fast in der Landschaft. Die Kuhhirtin und ihre Last jedoch stehen entschlossen im zentralen Vordergrund und fordern unsere volle Aufmerksamkeit. Nicht nur der Himmel und das Kleid der Frau sind blau, sondern auch die Dächer der Häuser.

Windmühle in Knocke – Pissarros Werk zeichnete sich durch eine warme Farbpalette und die Beständigkeit aus, mit der er die Atmosphäre einzufangen vermochte, stets durch präzise Lichtführung.

Die große Brücke in Rouen, regnerisches Wetter – Während seiner ersten Reise im Jahr 1896 malte er etwa zwölf Bilder; am Ende seiner zweiten Reise hatte er insgesamt achtundzwanzig fertiggestellt. „Die große Brücke in Rouen, regnerisches Wetter“ entstand während seines zweiten Aufenthalts in Rouen. Er traf am 2. September ein und mietete ein Zimmer im Hotel d'Angleterre mit Blick auf den Hafen. Dort hielt Pissarro eine lebhafte Szene fest. Im Vordergrund arbeiten Matrosen an Booten, Menschen, Pferde und Kutschen überqueren die Brücke, und Schornsteine speien eifrig Rauch aus den scheinbar produktiven Fabriken. Offensichtlich empfand er den Szenenwechsel in Rouen als äußerst inspirierend.

Der Boulevard Montmartre – Die Leinwand ist Teil einer Serie von Gemälden, die Pissarro von seinem Zimmer im Hotel de Russie aus mit Blick auf die Straße malte. Sie zeigen dieselbe Szene zu unterschiedlichen Tageszeiten und in verschiedenen Jahreszeiten. Er betonte die wechselnden Effekte des natürlichen Lichts auf das urbane Stadtbild, was in einer Reflexion über das Vergehen der Zeit und die Metamorphose der Stadt mündet.



Place du Théâtre Français – Pissarro liebte es, die Straßen von Paris zu malen; er stellte sie stets hell, silbern und lebendig dar. Es ging Pissarro darum, das alltägliche Stadtleben festzuhalten, nicht die berühmten Sehenswürdigkeiten. Die winzigen menschlichen Figuren und der lokale Verkehr sind mit differenzierten Pinselstrichen meisterhaft eingefangen.


"Wenn man etwas mit ganzer Seele tut und alles Edle in sich hineinlegt, findet man immer eine Entschädigung."
"Gesegnet sind jene, die Schönes an bescheidenen Orten wahrnehmen, wo andere nichts entdecken."
"Male den wesentlichen Charakter der Dinge."
- Camille Pissarro









