Ölgemälde der brasilianischen Dichterin Cecília Meireles, sitzend in einer natürlichen Umgebung, gehalten in sanften Blau- und Grüntönen.
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Cecília Meireles

Cecília Meireles war eine herausragende brasilianische Dichterin, Journalistin und Lehrerin des 20. Jahrhunderts, deren Werk sich durch lyrische Sprache und tiefe Symbolik auszeichnete.

A

Arthur

Historische Kuration

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Cecília Meireles, eine der prägendsten Stimmen Brasiliens im 20. Jahrhundert, war weit mehr als nur eine Dichterin. Sie wirkte als Journalistin, Malerin und Lehrerin.

Neben ihren lyrischen Werken verfasste Cecília Meireles auch Erzählungen, Chroniken und Essays.

Ihr poetisches Schaffen besticht durch eine zutiefst lyrische und symbolische Sprache. Immer wieder durchwebt sie darin Themen wie Kindheit, Tod, Natur und Spiritualität.

BIOGRAFIE

Cecília Benevides de Carvalho Meireles erblickte am 7. November 1901 in Rio de Janeiro das Licht der Welt.

Schon bei ihrer Geburt fehlte der Vater; Carlos Alberto de Carvalho Meireles war drei Monate zuvor verstorben.

Mit nur drei Jahren verlor sie auch ihre Mutter Matilde Benevides. Fortan wuchs sie bei ihrer Großmutter mütterlicherseits, Jacinta Garcia Benevides, auf.

1910, in der Escola Estácio de Sá, erhielt sie für ihre hervorragenden Leistungen im Primarschulbereich eine Goldmedaille – überreicht von niemand Geringerem als Olavo Bilac.

1917 schloss sie ihre Ausbildung am Instituto de Educação do Rio de Janeiro ab. Mit nur sechzehn Jahren widmete sie sich bereits dem Lehrberuf.

Cecília begann schon als Teenager zu schreiben. Früh zeigte sich ihr ausgeprägtes Interesse für Literatur und Poesie.

1919, im zarten Alter von nur achtzehn Jahren, veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband, „Espectros“. Dessen Stil bewegte sich geschickt zwischen Parnassismus und Symbolismus.

Von da an widmete sie sich voll und ganz der Literatur und Bildung. Sie unterrichtete Literatur und Fremdsprachen an verschiedenen Schulen in Rio de Janeiro.

1921 heiratete Cecília den portugiesischen Künstler Fernando Correia Dias, Mitbegründer der Lissabonner Literaturzeitschrift „A Águia“. Dort zählte kein Geringerer als Fernando Pessoa zu den Mitarbeitern.

Mit ihm bekam Cecília drei Töchter: Maria Elvira, Maria Matilde und Maria Fernanda ((1928-2022)), die später eine gefeierte Schauspielerin werden sollte.

Zwischen 1923 und 1925 erschienen „Nunca Mais“ und „Poema dos Poemas“. Hier näherte sie sich der modernistischen Ästhetik an, ohne jedoch die metrische Tradition des Verses und die Zuneigung zum klassischen Portugiesisch gänzlich aufzugeben.

Die 1930er-Jahre gestalteten sich für sie überaus produktiv und gleichzeitig turbulent.

Gleich zu Beginn unterbrach sie ihre poetische Schöpfung, um sich der Lehrtätigkeit zu widmen. Auch die Kinderbuchliteratur und ihr Engagement für das „Escola Nova“-Projekt während der Regierung Getúlio Vargas nahmen viel Raum ein. Täglich schrieb sie darüber eine Kolumne im „Diário de Notícias“.

1934 gründete sie in Rio das „Centro Infantil do Pavilhão Mourisco“, die landesweit erste Kinderbibliothek.

In dieser Zeit hielt sie zudem mehrere Vorträge über brasilianische Literatur in Lissabon und Coimbra.

1935 ereilte sie ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Ehemann Correia Dias, geplagt von Depressionen, nahm sich am 19. November im Alter von nur 43 Jahren das Leben.

Bereits 1936 erhielt Cecília eine Einladung, eine Professur an der neu gegründeten Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) zu übernehmen.

In portugiesischen Zeitschriften veröffentlichte sie ihre Kindheitserinnerungen „Olhinhos de Gato“.

1939, nach vierzehn Jahren der poetischen Stille, kehrte sie mit „Viagem“ auf die literarische Bühne zurück. Dieses Werk, eines ihrer bekanntesten, gilt als Meilenstein der Integration ihrer persönlichen Ästhetik in den Modernismus. Dafür erhielt sie den renommierten Poesiepreis der Academia Brasileira de Letras.

1940 heiratete sie den Professor und Ingenieur Heitor Vinícius da Silveira.

Auf Einladung der US-Regierung unterrichtete sie brasilianische Literatur und Kultur an der University of Texas.

1942 verfasste sie für die Zeitung „A Manhã“ Texte über Kinderfolklore und veröffentlichte „Vaga Música“.

Drei Jahre später erschienen „Mar Absoluto e Outros Poemas“.

1951 organisierte sie den ersten Nationalen Folklore-Kongress, und 1952 gab sie „Doze Noturnos da Holanda“ sowie „O Aeronauta“ heraus.

1955 erschienen „Pequeno Oratório de Santa Clara“ und „Pistóia, Cemitério Militar Brasileiro“.

Ein Jahr darauf folgten „Giroflê, Giroflá“, „A Rosa“, „Metal Rosicler“, „Amor em Leonoreta“ und „Solombra“.

1964 wurden „Escolha seus Sonhos“ und der Kinderbuchklassiker „Ou isto ou Aquilo“ veröffentlicht.

Am 9. November 1964, nur zwei Tage vor ihrem 63. Geburtstag, erlag sie einem Krebsleiden.

Posthum wurde ihr der Machado-de-Assis-Preis der Academia Brasileira de Letras für ihr Gesamtwerk verliehen.

Ihre posthumen Werke „Inéditos“ (1968) und „Cânticos“ (1981) erschienen später.

1989 ehrte man sie, indem ihr Porträt auf einer Banknote des Banco do Brasil – dem Hundert-Cruzado-Novo-Schein, der damals unter der Regierung Fernando Collors im Umlauf war – abgebildet wurde.

AUSGEWÄHLTE GEDICHTE

Musik

"Verlorene Nacht, ich beklage dich nicht: Ich embarkiere das Leben im Gedanken, suche die Morgenröte des reinen Traumes, unberührt und leer, – eine fleischfarbene Rose, unversehrt, im Wind. Verlorene Nacht, gefundene Nacht, tot, gelebt und auferstanden... (Flügel des Mondes, fast stillstehend, zeige mir deinen verborgenen Schatten, der mein Leben fortsetzt auf tiefem Grund! – Wurzeln gefangen in einer anderen Welt.) Fleischfarbene Rose des reinen Traumes, stumme Morgenröte, die der Gedanke der langsamen Zeit anvertraut... Mein Abschied, meine Ankunft, alles ist Wind... Weh der Morgenröte! Verlorene Nacht, gefundene Nacht..."

„Viagem“, 1939

Aus dem Buch

"Hier liegt mein Leben. Dieser so helle Sand, mit Spuren, dem Wind geweiht. Hier ist meine Stimme, diese leere Muschel, ein Schatten von Klang, der seine eigene Klage genießt. Hier ist mein Schmerz, diese zerbrochene Koralle, die ihren pathetischen Moment überlebt. Hier ist mein Erbe, dieses einsame Meer, das auf der einen Seite Liebe und auf der anderen Vergessen war."

„Retrato Natural“, 1949

Lied des Stiefmütterchens

"Ich sah den Sonnenstrahl den Herbst küssen. Ich sah in den Händen des Abschieds den goldenen Ring. Ich will den Tag nicht nennen. Ich kann den Besitzer nicht nennen. Ich sah offene Fahnen über dem weiten Meer und hörte die Sirenen singen. Fern, in einem Boot, ließ ich meine fröhlichen Augen zurück, brachte mein bitteres Lächeln mit. Wohl im Schoß des Mondes leide ich nicht mehr. Ach, sei, wie du willst, Stiefmütterchen, ich wünschte, du bliebest, doch wenn du gehst, vergess' ich dich nicht."

„Retrato Natural“, 1949

Ich lernte von den Frühlingen, mich schneiden zu lassen und immer wieder ganz zurückzukehren.

(aus dem Gedicht „Desenho“, im Buch „Mar Absoluto“)


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