
Honoré Daumier: Sozialkritik, Erbe und Werkübersicht (Teil 2)
Honoré Daumier: Sozialkritik, Erbe und Werkübersicht (Teil 2)
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Honoré Daumier, ein französischer Künstler des 19. Jahrhunderts, ist vor allem für seine scharfsinnigen politischen und sozialen Karikaturen in Erinnerung geblieben.
Er zählte zu den führenden Illustratoren seiner Zeit, lieferte Arbeiten für Zeitungen und Zeitschriften, die oft bissig waren und die französische Regierung sowie die Gesellschaft schonungslos kritisierten.
Galerie – Kommentierte Werke
Daumier war in erster Linie als Zeichner für Zeitungen und Zeitschriften tätig. Seine politischen und sozialen Karikaturen trafen den Nerv der Zeit; sie waren oft beißend und spiegelten die Missstände der damaligen französischen Regierung und Gesellschaft wider.
Daneben schuf er eine Reihe von Gemälden, die häufig das alltägliche Leben der Pariser Bürger und der Arbeiterklasse einfingen.

Mutter – Dieses Werk ist seiner Zeit weit voraus. Die hier dargestellte Mutterschaft zeugt von purem Expressionismus, ganze 50 Jahre bevor diese Kunstrichtung offiziell Fuß fasste.

Der Sammler – Daumier schuf hochfeine Aquarelle wie dieses. Damit bediente er geschickt den wachsenden Markt bürgerlicher Sammler.

Der Wagen dritter Klasse – Die Industrialisierung und die damit einhergehende Urbanisierung wirkten sich massiv auf die Pariser Arbeiterklasse aus. Dies hinterließ beim Künstler einen tiefen Eindruck und entwickelte sich zu einem wiederkehrenden Motiv in seinem Schaffen.

Don Quijote und Sancho Panza. Honoré Daumier. 1865-1870
Ein Künstler (Selbstporträt). Honoré Daumier. 1875
Daumier war ein außerordentlich produktiver Künstler. Sein Vermächtnis bleibt bis heute relevant für all jene, die ein tieferes Verständnis der kulturellen und politischen Geschichte Frankreichs anstreben.

Nach dem Staatsstreich und der Inthronisierung Louis Napoléons zum Kaiser wurde Daumiers künstlerisches Schaffen erneut durch Zensur beschnitten.
Daher widmete er sich wieder weniger explosiven gesellschaftlichen Kommentaren in Form von Karikaturen für Le Charivari. Zugleich verbrachte er vermehrt Zeit außerhalb Barbizons, in Gesellschaft von Millet und Henri Rousseau.
1853 stellte er seine Arbeiten nicht mehr im jährlichen Salon aus, malte aber weiterhin.
1860 verlor er seine Anstellung bei Le Charivari, da seine Arbeiten beim Publikum anscheinend nicht mehr den gewünschten Anklang fanden. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, verlegte er sich auf die Produktion von Aquarellen mit zeitgenössischen Motiven – diese waren auf dem Kunstmarkt sehr gefragt. Seine Bilder besaßen eine dokumentarische und skizzenhafte Qualität; sie schilderten den Pariser Alltag, sei es, indem sie Zugreisende, Bühnenkünstler oder Anwälte vor Gericht darstellten. Daumiers Ölgemälde wiederum trugen stets eine karikaturistische Note, wobei er abermals Stilelemente verschiedener Medien miteinander verschmelzen ließ.

1864 unterzeichnete er einen neuen Vertrag mit Le Charivari, um die soziale und politische Satire fortzusetzen, in der er so meisterhaft war. Doch als er seine Arbeit wieder aufnahm, bemerkte er, dass sein Sehvermögen nachließ.
1870 bot ihm die französische Regierung das Kreuz der Ehrenlegion an, allerdings diskret und ohne öffentliche Bekanntmachung. Er lehnte das Angebot ab.
Zwischen 1870 und 1871, mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges, der Napoleon III. stürzte, und während der brutalen Belagerung von Paris durch die Preußen, wurde Daumier zum Mitglied der Kommission zur Überwachung des Schutzes der Kunstwerke im Louvre-Museum gewählt. Er widersetzte sich aktiv den Bestrebungen Gustave Courbets, die Vendôme-Säule abzureißen.
1874 half ihm Jean-Baptiste-Camille Corot, der ein enger Freund geworden war, beim Kauf eines Hauses in Valmondois.
Am 10. Februar 1879 verstarb Daumier infolge eines Schlaganfalls, der eine Lähmung verursachte, und hinterließ zahlreiche unvollendete Gemälde.
Seine Werke finden sich heute in Museumssammlungen weltweit. Sein Vermächtnis bleibt bedeutend für alle, die ein tiefes Verständnis der französischen Kultur- und Politikgeschichte erlangen möchten.









