
Ismael Nery: Biografie und Werk: Die Phasen und Hauptwerke des Surrealismus
Ismael Nery: Biografie und Werk: Die Phasen und Hauptwerke des Surrealismus
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In Ismael Nerys Schaffen ist der Ausdruck von entscheidender Bedeutung, um sowohl seine Kunst als auch sein Leben zu fassen.
Als einer der Pioniere des Surrealismus in Brasilien schuf Ismael Nery ein einzigartiges Werk, das seine Qualen und Gedanken widerspiegelt.
Ab 1924 verlieh Ismael Nery seinen Figuren eine deutlich geometrischere Form; er komponierte seine Charaktere aus Zylindern und ovalen Gebilden.
Menschliche Figuren nahmen zunehmend langgezogene Züge an, ganz im Stile à la Modigliani.
Er absorbierte expressionistische und kubistische Einflüsse.
Als einer der Vorreiter des brasilianischen Surrealismus schuf Ismael Nery, indem er dieser Schaffenslinie folgte, in der er die Leiden einer Krankheit darstellte, die ihn schließlich dahinraffen sollte, ein zutiefst einzigartiges Werk.
Selbstporträt von 1927 – Pietro Maria Bardi schrieb 1972 für die Revista Manchete: „Dieses Werk von Ismael Nery ist kein Selbstporträt, sondern vielmehr eine Autobiografie.“
Beginnen wir mit den Dimensionen des Gemäldes, die in ihrer Großzügigkeit eine Ausnahme im Gesamtwerk darstellen.
Der Künstler inszeniert sich in surrealistischer Manier, überlagert von den Ikonen seiner Lieblingsstädte: Links erscheint Rio de Janeiro, dargestellt durch den Zuckerhut, die Bucht von Botafogo und die typischen Häuserfassaden; ein feines Detail dabei: Unten links winkt eine Mulattin, als würde sie tanzen. Rechts erheben sich der Eiffelturm und die charakteristischen Pariser Bauten.
Der Künstler selbst nimmt das Zentrum des Bildes ein, auf einer Bank sitzend, eine russische Bluse tragend.
Die Schattengebung auf der Bluse verdient eine eigene Betrachtung.
Das Spiel der Schatten nimmt die Bewegung der Pariser Gebäude im rechten Hintergrund auf; der Turm neigt sich gar nach links, gen Rio.
Zwei schemenhafte Gestalten schmiegen sich an das Gesicht des Künstlers: Links ein weibliches Antlitz, vielleicht Adalgisa; rechts ein männliches, man könnte an Murilo Mendes denken. So würde das Selbstporträt zu einem weiteren Liebesdreieck unter den vielen, die Ismael Nery malte. Doch betrachtet man seine Profil-Selbstporträts, scheint es, als hätte er in einer typisch narzisstischen Geste sein eigenes Bild verdoppelt, sich frontal und im Profil darstellend.
- Katalog Ismael Nery: Feminin und Maskulin. Museum für Moderne Kunst São Paulo. Kuratiert von Paulo Sérgio Duarte, Mai 2018.








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Expressionismus (1922-23), Kubismus (1924-27) und Surrealismus (1927-34).
Ölgemälde, Zeichnungen und Aquarelle von universellem Charakter, in denen die brasilianische Realität keine Rolle spielte.
Das zentrale Thema drehte sich um den zeitlosen Menschen, der gleichermaßen antike Gewänder tragen konnte wie die schlichte Kleidung des modernen Proletariers.
Obwohl er zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein Zeitgenosse brasilianischer modernistischer Künstler war, unterschied sich seine Bildkunst doch deutlich von der seiner Kollegen.
Nationale Themen interessierten ihn nicht.
Sein Werk kreist um bestimmte philosophische Dualitäten wie das Ich und das Andere, Körper und Geist, Gut und Böse, das Männliche und das Weibliche.
Das „Andere“ verkörperte meist seine Frau, die Dichterin Adalgisa Ferreira, oder sein enger Freund, der Dichter Murilo Mendes.
Seine Bilder werfen eine paradoxe Frage auf, ganz so, als blicke jemand in den Spiegel und frage: „Wer bin ich?“
Einige seiner Arbeiten erinnern an Amadeo Modigliani, erkennbar an den gestreckten Formen von Hals und Händen.
Man kommt auch nicht umhin, sie mit dem Werk von Frida Kahlo zu assoziieren.
Beide verstanden es meisterhaft, ihre persönlichen Tragödien zum Ausdruck zu bringen.
Ab 1924, später dann, verlieh Ismael Nery seinen Figuren eine geometrischere Gestaltung, formte seine Charaktere aus Zylindern und ovalen Formen.
Der illustrierte Brief des Malers Ismael Nery hat nur in einem Punkt etwas Konventionelles: im Respekt des Künstlers vor der üblichen Art der Anrede und des Abschlusses.
Das Blatt ist datiert, „Rio, 21. Mai 1929“, beginnt mit „Liebster Freund“ und endet mit „Stets Dein“ und den Initialen.
Was in einem gewöhnlichen Brief der Text wäre, ist hier eine Abfolge surrealistischer Bilder, schwebend wie im Traum.
Wenige illustrierte „Briefe“ in der brasilianischen Kunst erreichen die Schönheit dieser kryptischen Sendung Nerys, der vielleicht einem Freund eine Zeichnung in Briefform schenken wollte (oder war es ein Brief in Zeichnungsform?).

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Zwei schemenhafte Gestalten schmiegen sich in Schatten an das Gesicht des Künstlers: links ein weibliches Antlitz, möglicherweise Adalgisa; rechts ein männliches, man könnte Murilo Mendes vermuten. So würde das Selbstporträt zu einem weiteren Liebesdreieck unter den vielen, die Ismael Nery malte. Doch beim Betrachten seiner Profil-Selbstporträts scheint es, als habe er in einer typisch narzisstischen Geste seine eigene Abbildung verdoppelt.









