
Nelson Leirner und seine revolutionäre Kunst
Nelson Leirner und seine revolutionäre Kunst
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Nelson Leirner, ein bedeutender brasilianischer bildender Künstler und Professor, prägte die nationale wie internationale Kunstszene entscheidend. Sein Werk? Eine Vielfalt an Medien: Malerei, Skulptur, Installationen. Er war eng mit der brasilianischen neokonkreten Bewegung verbunden, die in den 1950er Jahren entstand und Kunst ins Alltagsleben integrieren wollte.
Leirner erlangte Berühmtheit durch seine konzeptuelle Herangehensweise. Oftmals fand er seine Materialien im Alltag, integrierte gefundene Objekte in sein Schaffen. Mit Ironie und feinem Humor kommentierte er Konsumkultur, Massenmedien und die Kommerzialisierung der Kunst – ein kritischer Blick auf unsere Welt.
BIOGRAFIE
Geboren am 16. Januar 1932 in São Paulo, trug Nelson Leirner die Kunst sozusagen im Blut. Er war der Sohn polnischer Einwanderer. Sein Vater, Isai Leirner, leitete das MAM – Museu de Arte Moderna de São Paulo und gründete die Galeria de Arte da Folha de São Paulo. Seine Mutter, Felícia Leirner, eine bedeutende Bildhauerin, stand im direkten Austausch mit einem Großteil der brasilianischen Avantgarde.
Zwischen 1947 und 1958 lebte Leirner in den Vereinigten Staaten; dort begann er sein Studium der Bildenden Künste. Eine prägende Zeit.
Zurück in Brasilien, zeigte er 1961 in São Paulo seine erste Einzelausstellung.
1966 gründete er gemeinsam mit Wesley Duke Lee, José Resende, Carlos Fajardo, Geraldo de Barros und Frederico Nasser die Grupo Rex. Nur ein Jahr später, 1967, löste sich die Gruppe auf – mit der legendären „Exposição-Não-Exposição“ (Ausstellung-Nicht-Ausstellung). Hier boten die Künstler ihre Werke dem Publikum kostenlos an. Die Galerie war bald leergefegt.
Im selben Jahr sorgte er für Aufsehen: Für den 4. Salão de Arte Moderna de Brasília schickte er ein ausgestopftes Schwein in einer Holzkiste, um dessen Hals ein Schinken gekettet war. So provokant wie Duchamps Urinal, diese Idee, ein Alltagsgegenstand ins Museum zu bringen! Das Werk war Teil seiner Serie „Matéria e Forma“. Unglaublich, aber wahr: Das Schwein wurde akzeptiert. Damit avancierte Nelson Leirner zum wohl umstrittensten brasilianischen Gegenwartskünstler der internationalen Szene.
Das Schwein. Nelson Leirner. 1966 – ausgestopftes Schwein in Kiste (83 x 159 x 62 cm)
Standort: Pinacoteca do Estado de São Paulo/Brasilien
1967 schuf der Künstler seine ersten, später höchst berühmten Mehrfachpaneele – Leinwand und Reißverschluss auf Chassis.
Schinken in Kiste. Nelson Leirner. 2009
Während der Militärdiktatur schuf der Künstler in einer Reihe von Zeichnungen und Grafiken große Allegorien der damaligen politischen Lage. 1974 veröffentlichte er die Serie „A Rebelião dos Animais“ (Der Aufstand der Tiere). Diese Werke kritisierten das Militärregime scharf. Dafür erhielt er den Preis für den besten Vorschlag des Jahres von der Associação Paulista dos Críticos de Arte (APCA).
Von 1977 bis 1997 lehrte er an der FAAP – Fundação Armando Álvares Penteado (São Paulo). Dort prägte er maßgeblich die Ausbildung zahlreicher Künstler dieser Generation.
2009 wurde er zum „Projeto Ocupação“ im Itaú Cultural eingeladen. Hier präsentierte er alte Werke in neuem Licht, mit einer aktualisierten Sichtweise. Er brachte erneut „Das Schwein“ mit, aber auch ein ähnliches Werk, das er „Schinken in Kiste“ nannte.
Pacavoa. Nelson Leirner. 2010 – Kunstbiennale São Paulo
2010, bei einer Präsentation auf der Biennale von São Paulo, ließ sich der Künstler von einer faszinierenden Referenz inspirieren: Er schuf eine Holz- und Leinwandreplik von Leonardo da Vincis Flugzeugmodell aus dem 15. Jahrhundert. Der Clou? Ein ausgestopftes Tier saß am Steuer.
Nach Jahren intensiver Arbeit und Hingabe an die zeitgenössische Kunst verstarb Nelson Leirner am 7. März 2020 im Alter von 88 Jahren in seinem Haus im Jardim Botânico, in der Südzone von Rio de Janeiro.
Nelson Leirners Erbe prägt Künstler bis heute. Seine Beiträge bleiben ein unverzichtbarer Teil der größeren Erzählung lateinamerikanischer und globaler Gegenwartskunst.
Er erklärte:
„Jede Kunst ist provokativ. Die Gesellschaft und die Institution haben gelernt, den Künstler zu entmystifizieren, indem sie konsumieren, was er schafft. Keine ästhetischen Zugeständnisse zu machen, das ist es, was mich weiterhin vor der Gesellschaft in diese Art von Glocke des Protests stellt.“ – Nelson Leirner
GALERIE AUSGEWÄHLTER WERKE
Würfel mit Reagenzgläsern. Nelson Leirner. 1971
Abstrakter Figurativismus (Aufkleber auf Holz). Nelson Leirner. 2004
So ist es... wenn es Ihnen so scheint. (Siebdruck). Nelson Leirner. 2008
Jedes Ding an seinem Platz 5. Nelson Leirner. 2013












