
Oswaldo Goeldi: Leben und Werk
Oswaldo Goeldi: Leben und Werk
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Oswaldo Goeldi, geboren 1895 in Rio de Janeiro, verstorben 1961, zählte zu den prägenden Persönlichkeiten der brasilianischen Kunstszene.
Bekannt wurde er vor allem durch seine Druckgrafiken und Zeichnungen, die sowohl urbane Alltagsszenen als auch düstere, oft melancholische Landschaften einfangen.
Seine Ausbildung begann an der Escola Nacional de Belas Artes; später führte ihn sein Weg nach Deutschland. Dort tauchte er in den Expressionismus ein, eine Strömung, die sein Schaffen nachhaltig prägen sollte.
Ein starker Hell-Dunkel-Kontrast kennzeichnet seine Grafiken. Erschafft tiefe, geheimnisvolle Atmosphären.
Neben der Druckgrafik befasste sich Goeldi auch mit Malerei, Illustration und Dichtung.
Sein Werk zählt zu den bedeutendsten der brasilianischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Es besticht durch seine Originalität und immense emotionale Tiefe.
Oswaldo Goeldi gilt als wichtiger Vertreter des Expressionismus in Brasilien. Dabei nahm er Anleihen bei Alfred Kubin, dem österreichischen Illustrator (1877-1959).
Ihn trieb das Welträtsel um, die Frage nach Sinn und Dasein. In der Landschaft spürte er den kleinen Geheimnissen des Seins nach; Geheimnissen, die er mit Tränen und Schweiß, mit unermüdlicher, geradezu obsessiver Arbeit entlockte. Nicht nur tagsüber, sondern vor allem nachts, wenn die Welt schweigt.

Bemerkenswerterweise verbrachte er über vier Jahre unter nahezu erstickenden Bedingungen an diesem Werk.
- Ferreira Gullar
„Die Realität ist größtenteils Schein, und die Kraft des Künstlers liegt darin, sie einzufangen.“ (Oswaldo Goeldi)
Oswaldo Goeldi erblickte am 31. Oktober 1895 in Rio de Janeiro das Licht der Welt.
Sein Vater, der Schweizer Naturforscher Emílio Goeldi.
Kurz nach seiner Geburt zog die Familie nach Belém do Pará, da Emílio Goeldi dort Forschungen in Zoologie und Botanik aufnahm.
Bereits mit sechs Jahren wurde Goeldi zum Studium in die Schweiz geschickt. Doch die Polytechnik verließ er rasch, um an die Kunstgewerbeschule Zürich zu wechseln.
Auch diese Ausbildung schloss er nicht ab.
Er setzte seine Studien autodidaktisch fort. Seine erste Einzelausstellung fand im schweizerischen Bern statt. Dort traf er auf das Werk Alfred Kubins, mit dem er sich über Jahrzehnte hinweg brieflich austauschen sollte.
1919 kehrte Goeldi nach Brasilien zurück.
Der Erste Weltkrieg war zwar beendet, doch Europa litt noch immer unter seinen weitreichenden, auch psychologischen Folgen.
In Brasilien nahm er eine Tätigkeit als Illustrator für Bücher und Zeitschriften auf.
„Ich fühlte mich, mehr oder weniger, wie Gauguin auf seiner Insel…“ (Goeldi – 1919)
Während seiner Lehrjahre suchte Goeldi beharrlich nach einer eigenen Bildsprache.
Seine menschlichen Erfahrungen. Die handwerkliche Arbeit. Darin entdeckte er neue Ausdrucksmöglichkeiten für sein Genre.
Diese Erlebnisse verliehen seinen Grafiken allmählich größere Ausdruckskraft und Wirkung.
Die Technik reicherte sich langsam an. Nicht zufällig begann er mit Farben zu experimentieren.
Er setzte sie jedoch nicht als bloßes Dekorelement ein, wie oft üblich, sondern als Ausdrucksträger, fest verwoben mit der Komposition.
Er selbst merkte an:
„Ich habe die Druckgrafik nicht zu einer mechanischen Form degradiert; ich hege noch immer Hoffnungen, mache Entdeckungen und drucke mit der gleichen Befriedigung wie vor 40 Jahren.“

Oswaldo Goeldi lebte abseits gesellschaftlicher und familiärer Konventionen.
Seine Sorgen und Sehnsüchte teilte er mit niemandem. Selbst seinen wenigen Freunden blieb er verschlossen.
Er heiratete nie, hatte keine Kinder.
Am 16. Februar 1961 starb er in Rio de Janeiro.
Nach seinem Tod wurden ihm in Brasilien und darüber hinaus zahlreiche Ehrungen zuteil.
Sein Schaffen erfuhr nachträglich höchste Wertschätzung. Heute gilt er im Bereich der Druckgrafik als weltweite Referenz, als einer der bedeutendsten Künstler überhaupt.
Oswaldo Goeldi
: Werk
Oswaldo Goeldi lässt sich als expressionistischer Künstler fassen. Eine Kunstrichtung, die sich insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland entwickelte.
Die beklemmenden Gefühle des Künstlers. Sie offenbaren eine deformierte Realität, die er in seiner Kunst mit großer Intensität darstellt.
Die Sicht ist pessimistisch. Die Welt erscheint bedrohlich.

In diesem Werk entfaltet Goeldi eine Metapher sozialen Zerfalls.
Das verlassene Ich des Bettlers mit rotem Herzen. Er liegt vor einem riesigen Häuserblock, ohnmächtig in seiner totalen Verlassenheit. Dies spiegelt die sanfte Verzweiflung wider, so charakteristisch für den Künstler, eine leise Unruhe angesichts der melancholischen Szene.
(Auszug aus dem Gedicht „A Goeldi“ von Carlos Drummond de Andrade)










