
Victor Brecheret: Leben und Werk
Victor Brecheret: Leben und Werk
Artikelindex
Victor Brecheret zählt zu den ersten brasilianischen Modernisten, denen der Durchbruch gelang. Er war maßgeblich daran beteiligt, den Modernismus in der brasilianischen Bildhauerei zu verankern. Er durchlebte die Epochen des Art déco und des Art nouveau, bewahrte aber stets eine ganz eigene Handschrift. Wer seine Arbeiten kennt, weiß sofort: Das ist Brecheret. Seine Werke sind unverkennbar persönlich, einzigartig.
Biographie Victor Brecherets
Vittorio Brecheret erblickte am 15. Dezember 1894 in Farnese, Italien, das Licht der Welt. Seine Eltern waren Augusto Breheret und Paolina Nanni. Als der kleine Vittorio erst sechs Jahre alt war, verstarb seine Mutter. Er fand Zuflucht bei der Familie seines Onkels mütterlicherseits, Enrico Nanni. Zehnjährig wanderte er mit ihnen nach Brasilien aus; die Familie ließ sich in São Paulo nieder.
In Brasilien nahm er den Namen Victor Brecheret an. Mit dreißig Jahren bemühte er die Justiz, um seine Geburt verspätet im Personenstandsregister des Jardims América – einem Viertel São Paulos – eintragen zu lassen. So bekräftigte der Künstler auch seine brasilianische Staatsangehörigkeit, erlangte die doppelte Staatsbürgerschaft.
1912 schrieb er sich am Liceu de Artes e Ofício in São Paulo ein, um Zeichnen und Modellieren zu lernen. Bereits im Folgejahr reiste er nach Rom, um seine Kenntnisse in der Bildhauerei zu vertiefen. Fünf Jahre verweilte er in Italien, knüpfte dort Kontakte zu den Künstlern der Avantgarde. Er arbeitete mit dem italienischen Bildhauer Arturo Dazzi.

1919, zurück in Brasilien, richtete er sein Atelier im Palácio das Indústrias ein; der Architekt Ramos de Azevedo stellte ihm den Raum zur Verfügung. Im darauf folgenden Jahr traf er auf Anita Malfatti, Di Cavalcanti, Oswald de Andrade, Mário de Andrade und Menotti Del Picchia – allesamt Künstler der modernistischen Bewegung.

1921 schuf er eines seiner bedeutendsten und bekanntesten Werke: das Monumento às Bandeiras. Es war vom Gouvernement des Bundesstaates São Paulo in Auftrag gegeben worden und steht heute im Parque do Ibirapuera.

1922 reiste er nach Paris, um sich weiterzubilden und neue Techniken kennenzulernen. Dort studierte er bei dem Bildhauer Brancusi. Indirekt nahm er auch an der Semana de Arte Moderna teil; obwohl er während der Feierlichkeiten nicht physisch anwesend war, wurden zwanzig von ihm ausgewählte Skulpturen in den Räumlichkeiten des Teatro Municipal de São Paulo ausgestellt.

Noch in Europa zeigte er seine Arbeiten auf zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen, erhielt diverse Auszeichnungen. Darunter war die „Mention Honorable“ der Société des Artistes Français im Jahr 1925. Nach seiner Rückkehr nach São Paulo wurde er 1932 Gründungsmitglied der Sociedade Pró Arte Moderna (SPAM). Im darauf folgenden Jahr erwarb die französische Regierung das Werk „O Grupo“ für das Musée Jeu de Pomme, heute in La Roche-sur-You. Der Künstler wurde mit dem Kreuz der Ehrenlegion im Rang eines Ritters für seine Verdienste um die schönen Künste ausgezeichnet.

1941 gewann er den internationalen Modellwettbewerb für das Monumento a Duque de Caxias. Zeitgleich zum Wettbewerb lief eine intensive Spendenkampagne für das Denkmal an. Anfangs konzentrierte sie sich auf die Hauptstadt São Paulo, bald aber umfasste die Aktion den gesamten Bundesstaat, Spenden trafen aus Städten wie Campinas, Guarulhos, Jundiaí und weiteren Orten ein.

1946 schuf er die „Via Crúcis“ für die Kapelle des Hospital das Clínicas. 1951 wurde er bei der I Bienal de São Paulo als bester nationaler Bildhauer ausgezeichnet. Am 25. Januar 1953 fand in São Paulo die Einweihung des „Monumento às Bandeiras“ statt. Dieses bedeutende Werk wurde schließlich 1954 – zusammen mit dem Parque do Ibirapuera – als Teil der Feierlichkeiten zum IV. Stadtjubiläum São Paulos eingeweiht.

1955 beteiligte sich Brecheret an der II Bienal de São Paulo und stellte dabei „Bartira“ aus. Er nahm auch an der Pariser Ausstellung „Artistes Brésiliens“ teil, vermittelt durch die Museen für Moderne Kunst in Rio de Janeiro und São Paulo.
Victor Brecheret verstarb am 17. Dezember 1955 in São Paulo. 1957 wurde er auf der Bienal von São Paulo in einem besonderen, ihm gewidmeten Saal mit rund 61 Skulpturen und 20 Zeichnungen posthum geehrt.









