Nackte Frau sitzt auf einem Sofa, im Profil, mit verschränkten Armen und direktem Blick, in Blau- und Brauntönen, mit Details aus Stoff und Schmuck.
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Die Große Odaliske, ein Meisterwerk von Jean-Auguste-Dominique Ingres

Die Große Odaliske, ein Meisterwerk von Jean-Auguste-Dominique Ingres

A

Arthur

Historische Kuration

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Die Große Odaliske – ein Gemälde des französischen Künstlers Jean-Auguste-Dominique Ingres, einem der prägendsten Vertreter des Neoklassizismus. Als es erstmals öffentlich zu sehen war, löste es bei den Kritikern helle Empörung aus. Sie verspotteten die radikal entschlackte Modellierung der Figur.

Die Große Odaliske. Nackte Frau sitzt auf einem Sofa, im Profil, mit verschränkten Armen und direktem Blick, in Blau- und Brauntönen, mit Details aus Stoff und Schmuck.

Die Große Odaliske. Jean Auguste Dominique Ingres. 1814 – Öl auf Leinwand (91 x 162 cm) – Standort: Musée du Louvre, Paris (Frankreich)

Im Jahr 1814 erhielt der Künstler Jean-Auguste-Dominique Ingres den Auftrag von Caroline, der Schwester Napoleons Bonaparte, ein Gemälde zu fertigen. Sie war mit Marschall Joachim Murat vermählt, der 1808 König von Neapel geworden war. Caroline wünschte sich ein Bild, das zu einem anderen Aktgemälde von Ingres passte, das eine schlafende Frau zeigte. So entstand Die Große Odaliske.

Als das Werk 1819 im Salon gezeigt wurde, fielen die Urteile keineswegs nur positiv aus. Insbesondere bemängelte man, Ingres hätte die Anatomie des Körpers nicht akkurat dargestellt. Ein weiterer Kritikpunkt: Eine Odaliske dürfte im Harem doch gar nicht nackt sein, sie trage dort stets Kleidung.

Doch die Geschichte birgt ein bizarres Detail: Ingres’ vermeintliche Fehler und Ungenauigkeiten waren sämtlich beabsichtigt. Die starre Perfektion der akademischen Malerei und eine übertrieben genaue Farbgebung hätten dem Maler schlichtweg nicht erlaubt, das Gefühl, das ein kurvenreicher Körper in ihm weckte, auf die Leinwand zu bringen.

Betrachtet man die Große Odaliske genauer, so wirken ihre Hüften übermäßig breit, ihr rechter Arm viel zu lang.

Das Gemälde zeigt eine nackte Frau, die auf einem mit üppigen Stoffen bedeckten Bett liegt.
Ihre Gestalt füllt die gesamte Szene aus. Lediglich der Federfächer, der Turban auf ihrem Haupt und einige wenige weitere Details verraten uns ihre Herkunft aus einem orientalischen Land.

Mit diesem Werk ersann Ingres ein gänzlich neues Genre, indem er den mythologischen Akt in den Orient versetzte. Er nahm damit die exotische Malerei vorweg, die später in Frankreich Furore machen sollte.

Eine bemerkenswerte Randnotiz: Ingres gilt als der letzte große Künstler der klassischen Malerei. Die Große Odaliske verkörpert somit eine Frau des 19. Jahrhunderts – eine, die sich nicht länger unterwirft, sondern ihren Körper selbstbestimmt kontrolliert und nutzt.

Sie ist wunderschön, besitzt einen selbstbewussten Blick und eine Haltung, die Frauen in jener Epoche des Umbruchs gerade erst zu lernen begannen.

Die makellose Darstellung der Stoffe, des Schmucks und der sie umgebenden Objekte gleicht die viel kritisierten anatomischen Unstimmigkeiten aus. Gerade diese aber verleihen dem Gemälde seine einzigartige, tiefe Sinnlichkeit.


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