
Die Freiheit führt das Volk - Eugène Delacroix
Die Freiheit führt das Volk - Eugène Delacroix
Das Gemälde "Die Freiheit führt das Volk", 1830 von Eugène Delacroix gemalt, gilt als mächtiges Sinnbild der Umwälzungen des ausgehenden 18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es verkörpert den Kampf des Volkes um die heiß ersehnte Gleichheit und zählt zu den prägnantesten Werken der Romantik.
Überraschenderweise erwarb der Staat das Werk für 3.000 Franken, gab es jedoch an den Künstler zurück, der es im Landhaus einer Tante deponierte.
Delacroix schuf das Gemälde zügig, in etwas mehr als drei Monaten, und präsentierte es bereits im Salon von 1831.
Das Bild enthüllt den Aufstand der unterdrückten Schichten: Eine Menschenmenge aus Männern und Jugendlichen, bewaffnet mit Gewehren und Schwertern, bricht aus einer Wolke aus Staub und Rauch hervor. Sie überwinden Barrikaden, stürmen unerbittlich auf den Betrachter zu. Ein Junge mit Pistolen in den Händen, einem Kampfschrei auf den Lippen, drängt mit dem rechten Fuß voran und spornt seine Kameraden zum Kampf an.
Die Hauptfigur des Werkes ist die Freiheit selbst, verkörpert durch eine Frau, die die Leichen gefallener gegnerischer Soldaten zu ihren Füßen zurücklässt.
Besonders frappierend ist ihre Darstellung: eine Tochter des Volkes, dem Volke entstiegen. Lebendig, entschlossen, ungestüm. Sie verkörpert den Aufstand, bricht wie eine Flamme aus dem Schatten ins Licht und hält die französische Flagge als Kampfessymbol empor.
Die Freiheit hier, sogar ein Gewehr tragend, ist eine Allegorie von moderner, zeitgemäßer und realitätsnaher Prägung.
"Die Freiheit führt das Volk" ist eine romantische Darstellung der Französischen Revolution vom Juli 1830.
Zu jener Zeit regierte Frankreich unter König Karl X., der sechs Jahre lang an der Macht blieb.
Als Karl X. versuchte, die Pressefreiheit abzuschaffen und die frisch gewählte Versammlung aufzulösen, brach die Revolution aus.
Der König wird gestürzt; Louis-Philippe, ein liberaleres Mitglied der Königsfamilie, besteigt den Thron.
Er sollte der letzte französische König sein und dankte 1848 ab.
Eugène Delacroix selbst nahm an der Revolution nicht teil.
Für sein Werk schöpfte er wahrscheinlich Inspiration aus damaligen Stichwerken des Konflikts, insbesondere aus den Arbeiten von Nicolas Charlet.
Das Gemälde verstörte sowohl Royalisten als auch Revolutionäre.
Es wurde vom Staat für 3.000 Francs erworben, dann jedoch dem Künstler zurückgegeben, der es bei einer Tante auf dem Land deponierte.
Lange Zeit scheute man sich, das Werk öffentlich auszustellen.
Erst 1874 gelangte das Bild endgültig in den Besitz des Louvre und wurde dort ehrenvoll präsentiert.
Besondere Merkmale des Werkes:
Der Pinselstrich: Delacroix' Pinselstriche sind auf der Leinwand deutlich sichtbar. Dies steht im Widerspruch zu akademischen Regeln, die einen "unsichtbaren" Pinselauftrag vorschreiben.
Die Freiheit: Sie wird als klassische Göttin dargestellt, ein Sinnbild für Tugend und Ewigkeit. Doch ihre robusten Züge verweisen auf das französische Volk; man sieht Achselhaare. Die Frau schwebt nicht über dem Schlachtfeld, sondern mischt sich hinein, macht sich die Hände schmutzig. Sie führt eine moderne Waffe – ein Musketengewehr.
Die Leichen: Bei den Toten handelt es sich um Mitglieder der königlichen Elitewache. Da es ein Bürgerkrieg war, kämpften die Revolutionäre gegen ihnen sehr nahestehende Menschen – Nachbarn, Landsleute. Der Realismus der Leichen schöpft Inspiration aus den Werken von Antoine-Jean Gros, einem Maler, den Delacroix verehrte.
Mann ohne Hose: Ein weiterer Aspekt, der das Werk vielschichtig und ambivalent gestaltet, ist die Darstellung dieser entblößten Leiche: ein Mann, seiner Würde beraubt. Seine Kleidung wurde gestohlen, wohl von den Aufständischen selbst. Auch andere Figuren im Gemälde zeigen sich mit Gegenständen, die sie den Toten entwendet haben. So finden sich selbst unter den Kämpfern für die Freiheit fragwürdige Handlungen.
Die Flaggen: Zwei Flaggen sind auf dem Bild zu sehen: eine, die die Freiheit emporhält, und eine weitere über der Kathedrale Notre-Dame. Die Trikolore war während der Französischen Revolution von 1789 und in den Napoleonischen Kriegen in Gebrauch. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo verschwand sie jedoch. Die Wiederkehr dieses Symbols ist emotional aufgeladen; es ist, als würde das Volk seinen Stolz nach der Monarchie-Restaurierung zurückgewinnen.
Das Schlachtfeld: Der Mittelpunkt der Revolution von 1830 war die Pont d’Arcole; wahrscheinlich ist dies auch die Szenerie des Gemäldes. Jedoch erlaubt kein Aussichtspunkt diesen Blick auf Notre-Dame. Wie andere romantische Maler verzichtet Delacroix auf eine buchstäbliche Wiedergabe der Fakten zugunsten einer stärkeren dramatischen Wirkung. Er verwandelt zeitgenössische Ereignisse in mythische Bilder.
Die Komposition: Es ist eine klassische, pyramidenförmige Komposition, bei der die Freiheit die Spitze bildet. Das Musketengewehr mit Bajonett, das die Freiheit trägt, bildet eine Parallele zur Waffe des Kindes. Im übrigen Bildbereich verleihen diverse diagonale Linien der Komposition Dynamik.
Die Farben: Die leuchtenden Farben der Flagge betonen die Frau, die die Freiheit verkörpert. Man bemerkt, wie das Rot der Flagge sich vom blauen Himmel abhebt, was es noch stärker hervorhebt. Die Farben finden sich in der Kleidung des Arbeiters zu Füßen der Freiheit wieder. Die Gewänder der Freiheit sind in einem helleren Ton gemalt als die übrigen im Bild, was die Lesbarkeit erleichtert.









