
Michelangelo Buonarroti: Leben und Werk
Eine ausführliche Betrachtung des Lebensweges und der Schaffenskraft Michelangelos, dieses Meisters der Renaissance. Seine Kunst fasziniert bis heute.
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Lassen Sie uns gemeinsam eintauchen in das Leben und Schaffen Michelangelo Buonarrotis. Er war einer der prägendsten Künstler der gesamten Renaissance. Ein Koloss der Kunstgeschichte.
Geboren 1475 im italienischen Caprese, wirkte Michelangelo als Bildhauer, Maler, Architekt, ja sogar als Dichter. Sein künstlerisches Erbe ist schlicht unvergleichlich.
Zu seinen unsterblichen Meisterwerken zählen Skulpturen wie „David“ und die „Pietà“. Er schuf die atemberaubenden Fresken der Sixtinischen Kapelle. Auch architektonisch setzte er Maßstäbe, etwa mit der Kuppel des Petersdoms im Vatikan.
Man kannte Michelangelo für seine herausragende technische Meisterschaft. Ebenso virtuos vermittelte er tiefe Emotion und echtes Drama in seinen Arbeiten.
Über seine künstlerische Brillanz hinaus spielte Michelangelo eine wesentliche Rolle in der Politik und Kultur seiner Zeit. Er diente verschiedenen Päpsten und politischen Größen.
Sein Leben, sein Werk – sie beflügeln und fesseln Menschen weltweit, bis heute. Ein leuchtendes Zeugnis der Größe des menschlichen Geistes. Welch Macht die Kunst doch hat, über Zeit und Raum zu reichen!
Michelangelo Buonarroti gilt, völlig zurecht, als eines der größten Genies der gesamten Kunstgeschichte.
Er lebte in der Epoche, die wir als Renaissance kennen.
Er war in erster Linie Bildhauer. Doch er malte, dichtete und entwarf Bauten. Ein wahrhaft universeller Künstler.
Michelangelo Buonarroti: BIOGRAFIE

Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni erblickte in Caprese das Licht der Welt. Dieses kleine Städtchen liegt nördlich von Arezzo, in der malerischen Toskana, Italien.
Sein Geburtstag war der 6. März 1475. Schon im ersten Lebensmonat zog seine Familie nach Florenz um.
Michelangelo war das zweite von fünf Kindern von Lodovico di Leonardo und Francesca Buonarroti.
Sein Vater entstammte dem niederen Adel der Stadt. Er wollte dem Sohn einen Weg ebnen. So schrieb er ihn mit sieben Jahren in einer florentinischen Lateinschule ein.
Doch drei Jahre später musste er einsehen: die Mühe war vergeblich. Der Junge liebte es zu zeichnen. Nur das zählte für ihn.
Es gab keine andere Wahl. Der Vater sorgte für Beschäftigung. Mit dreizehn brachte er den Sohn ins Atelier von Domenico Ghirlandaio, einem der führenden Meister jener Zeit.
Das Lernen ging rasch. Er erhielt sogar ein Lehrergehalt.
Später, ob aus Stolz oder Arroganz, behauptete der Künstler, niemals einen Lehrer gehabt zu haben. Dabei ist Ghirlandaios Einfluss auf Michelangelos frühe Skizzen unverkennbar. Die Techniken zeigen sich deutlich.
Nur zwei Jahre wirkte er im Atelier. Dann erregte die Arbeit des Künstlers die Aufmerksamkeit Lorenzo de' Medicis, des Prächtigen. Dieser Mann war der Mächtigste in Florenz.
Michelangelo erhielt eine Einladung, im Hause Lorenzos zu leben. Dort verweilte er bis zum Tod des Prächtigen im Jahr 1492.
In dieser Zeit kehrte der Künstler ins väterliche Heim zurück. Zwei Jahre lang widmete er sich intensiv dem Studium der menschlichen Anatomie. Er sezierte dafür Körper im Hospital Santo Spirito.
Im Juni 1496 schuf er in Rom sein erstes bedeutendes Werk: den Bacchus.
Zum Ruhm verhalf ihm jedoch die Pietà, die er zwischen 1498 und 1500 aus Marmor schnitzte.
Übrigens, dieses Werk trägt als einziges seine Signatur. Eingraviert in einem Band auf der Brust der Jungfrau Maria, die den toten Christus hält.
Nach der Vollendung der Pietà kehrte der Künstler nach Florenz zurück. Dort begann er, den David aus einem einzigen Marmorblock zu meißeln.
Drei Jahre dauerte die Arbeit. Michelangelos Ruhm wuchs im gleichen Maße.
Während der Arbeit an dieser Skulptur erhielt er zahlreiche Aufträge. Darunter war die Heilige Familie, sein einziges vollendetes Gemälde, das weder Wand noch Decke zierte.
Im Jahr 1508 folgte der vielleicht wichtigste Auftrag seines Lebens: die Bemalung der Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Vier Jahre beanspruchte dieses gewaltige Unterfangen.
1533, einundzwanzig Jahre später, rief man den Künstler erneut zur Sixtina.
Diesmal sollte er das Jüngste Gericht an die Altarwand malen. Fünf weitere Jahre dauerte die Vollendung.
Von 1546 bis zu seinem Tod, siebzehn Jahre später, plagten ihn zwar starke Schmerzen am ganzen Körper. Doch er wirkte unbeirrt als Architekt am Petersdom.
Michelangelo Buonarroti starb am 18. Februar 1564 in Rom. Er war 88 Jahre alt geworden.
Sein letzter Wunsch war stets, in Florenz beigesetzt zu werden.
Zunächst begrub man den Künstler in der römischen Basilika der Heiligen Apostel.
Drei Wochen später verlegte sein Neffe Leonardo, mit päpstlicher Erlaubnis und auf Befehl des Herzogs Cosimo de’ Medici, seine sterblichen Überreste heimlich in die Basilika Santa Croce nach Florenz. Ganz nach dem letzten Wunsch des Meisters.

Sein Grabmal ist eine tief empfundene Hommage an den Künstler. Es vereint Elemente der Bildhauerei, Malerei und Architektur – jener Disziplinen, in denen er so virtuos wirkte.
Dieses Denkmal besteht aus zwei gleichseitigen Dreiecken, die auf einer klassischen Fassade römischer Ordnung ruhen. Prächtige Fresken zieren es, voller Engel, die über die Seele des Künstlers wachen. Sie erinnern stark an die von Michelangelo gemalten Fresken der Sixtinischen Kapelle.
Geplant wurde es von seinem Freund, dem Architekten und Biographen Giorgio Vasari, der die gesamte Projektleitung übernahm. Die Ausführung der Malereien und Skulpturen übertrug er indes Schülern des Meisters.
DIE DOMINANZ DES MÄNNLICHEN
Michelangelo, einer der versiertesten Kenner der menschlichen Anatomie und Bewegung, nicht nur seiner Zeit, sondern der gesamten Kunstgeschichte, widmete sich dem männlichen Körper mit aller Intensität. Von seinem Frühwerk, dem Bacchus, bis zum Moses, als der Künstler bereits über fünfzig war, zieht sich dies durch sein Schaffen.
Die harmonische, ja perfekte Darstellung des männlichen Körpers führen viele Historiker und Biographen auf die Homosexualität des Künstlers zurück. Er hatte sie nie verheimlicht.
Michelangelos Poesie war übrigens fast gänzlich von seinen persönlichen Beziehungen geprägt. Seine Werke enthalten zahlreiche Verweise auf die Leidenschaft für junge Männer.
Über die Präferenz des Künstlers für das männliche Geschlecht soll ein Historiker einmal gesagt haben: "Wäre er nicht homosexuell gewesen, wäre er nicht Michelangelo gewesen."
In einem seiner Gedichte schrieb er:
"Meine Augen, nach Schönem suchend,
und meine Seele, nach Erlösung strebend,
haben keine andere Kraft, zum Himmel aufzusteigen,
als indem sie alles Schöne betrachten."
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HUMANISMUS
Ambition. Genau dieses Wort umschreibt Michelangelos Schaffen treffend. Die kräftigen Züge, Ausdruck der stürmischen Natur des Künstlers, spiegelten oft seine inneren Konflikte wider.
Kein Wunder, dass seine Gemälde so außerordentlich durchdacht waren. Oft trugen sie einen Hauch von Grausamkeit, sogar Pessimismus, in sich.
Die von ihm geschaffenen Figuren verkörperten stets ein umfassendes Gefühl der Tragödie. Ein unverwechselbares Merkmal seines Stils.
Der Humanismus durchdrang Michelangelos gesamtes Werk.
Selbst wenn sie nur als Hintergrund einer anderen Idee dienten: Themen wie Felsen, Bäume oder Blumen ignorierte er meist.
Das Ergebnis? Die unglaubliche Lebendigkeit seiner Figuren.
Betrachten Sie nur wenige Augenblicke ein Werk des Meisters. Man bekommt den Eindruck, sie seien lebendig, erfüllt von tiefster Emotion.
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