
Myrons Diskobolos
Myrons Diskobolos
Der Diskobolos, ein Meisterwerk aus Bronze von Myron von Eleutherai, entstand um 455 v. Chr. Er fängt den Augenblick ein, kurz bevor ein Athlet den Diskus schleudert.
Eine seiner römischen Kopien, ein kostbares Zeugnis, hütet das British Museum in London. Leider, wie bei vielen der großen griechischen Skulpturen, hat das Original aus Bronze die Jahrhunderte nicht überdauert.

Eine römische Marmorkopie dieser Skulptur, welche in der Villa Adriana bei Tivoli ans Licht kam, erreicht eine Höhe von etwa 160 cm.
Zweifellos: Dies ist Myrons bekanntestes Stück, ein wahrer Meilenstein. In der griechischen Kunstgeschichte hat sie einen festen Platz, ja, sie gilt als Ikone schlechthin.
In ihr verdichten sich zentrale Gedanken der Antike: die glühende Verehrung der Olympischen Spiele, der Kult um den vollendeten menschlichen Körper. Dazu gesellen sich innere Gelassenheit und das unermüdliche Streben nach formaler Harmonie. Ein echtes Zeugnis.
Man vermutet, die Originalbronze sei einst für die Stadt Sparta geschaffen worden. Manche sehen in der Figur Hyakinthos, den von Apoll so sehr Geliebten.
Der Diskobolos beugt Kopf und Oberkörper sichtlich nach vorn. Sein rechter Arm, den Diskus fest umschließend, ist weit nach hinten oben geschwungen – alles für den entscheidenden Impuls. Der linke hingegen ist nach vorn gekrümmt, das Handgelenk trifft dabei fast das rechte Knie.
Die Knie sind gebeugt. Das rechte Bein tritt leicht hervor und scheint das gesamte Körpergewicht zu tragen. Nur die Zehen des linken Fußes finden noch Halt am Boden.
Myron investierte viel Präzision in die Darstellung feinster anatomischer Details. Die Brustmuskeln, die Sehnen – ja, selbst die geschwollenen Adern der rechten Hand verraten die immense Anstrengung des Athleten. Jede Faser spricht Bände.
Der Bildhauer bannt den Körper in den Moment maximaler Anspannung. Doch seltsamerweise spiegelt sich diese enorme Kraftanstrengung nicht im idealisierten Gesicht wider. Es zeigt nur eine zarte Konzentration, die lediglich vom leicht geöffneten Mund und einer winzigen Stirnfalte verraten wird.
Hinter der Figur ragt ein Baumstamm empor. Im ursprünglichen Bronze war dieser Stützpfeiler gewiss nicht nötig. Doch die römischen Meister mussten ihn der Marmorkopie hinzufügen, um das enorme Gewicht zu tragen.









