
Constantin Brancusi
Constantin Brancusi
Constantin Brancusi gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts.
Seine visionären Werke verkörpern oft ideale, geradezu archetypische Darstellungen seiner Sujets. Sie sind auf das Wesentliche reduziert, ihre schlichten Formen sollen tieferliegende Wahrheiten enthüllen.
Im deutlichen Kontrast zur übermächtigen Figur eines Auguste Rodin, dem er zu Beginn seiner Laufbahn kurz assistierte, agierte Brancusi direkt mit seinen Materialien. Er leistete damit Pionierarbeit in der Technik der Direktskulptur – ganz ohne Gips- oder Tonmodelle als Zwischenschritt.
BIOGRAFIE
Constantin Brancusi erblickte am 19. Februar 1876 in Hobitza, einem kleinen Bauerndorf in Rumänien, das Licht der Welt.
Seine Kindheit war von Härten geprägt; nicht zuletzt durch das angespannte Verhältnis zu seinem Vater, einem Klosterverwalter, und dessen Kindern aus einer früheren Ehe.
Im Alter von elf Jahren, nach mehreren gescheiterten Versuchen, verließ er 1887 endgültig sein Elternhaus.
Nachdem er sein Elternhaus verlassen hatte, zog er in die rumänische Stadt Craiova und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kellner und Tischler.
1894 schrieb er sich an der Schule für Kunst und Handwerk als Vollzeitstudent ein. Dort brillierte er im Tischlerhandwerk und schloss seine Ausbildung 1898 mit Auszeichnung ab.
Von 1898 bis 1902 vertiefte er sich in Modellieren und Aktplastik an der Nationalen Hochschule für Schöne Künste in Bukarest. Seine Arbeiten brachten ihm dort Wettbewerbspreise ein.
1904 verließ er Rumänien und zog nach Paris; den Großteil des Weges legte er zu Fuß zurück.
Diese Anekdote wurde Teil der Legende, die Brancusi als den exotischen Bauern umgab. Eine Mythologie, die der Künstler selbst aktiv befeuerte: Er trug fortan rumänische Bauernkleidung, selbst bei offiziellen Anlässen, und fertigte all seine Möbel selbst.
Zwischen 1905 und 1906 bildete er sich im Bildhaueratelier von Antonin Mercie in den Bereichen Skulptur und Modellierung weiter.
1907 begann Brancusi als Studioassistent für Auguste Rodin zu arbeiten, verließ dessen Atelier jedoch schon nach einem Monat mit der Begründung: „Nichts wächst im Schatten großer Bäume.“
Dennoch räumte er ein, dass diese Zeit in Rodins Werkstatt entscheidend für seine ästhetische Grundhaltung war. Sie diente ihm als Ausgangspunkt, um eine radikal andere künstlerische Praxis zu entwickeln.
Nach dem Weggang aus Rodins Atelier begann Brancusi, seinen ganz eigenen Stil zu etablieren. Er startete mit blockartigen Werken, wie man sie etwa in Der Kuss sehen kann.
Obwohl es den gleichen Titel wie eine von Rodins berühmtesten Skulpturen trug, war das Werk in Material, Formgebung und thematischer Behandlung Rodins Schaffens ein vollständiger Gegensatz.
1913 waren fünf seiner Skulpturen auf der berühmten Armory Show in New York zu sehen.
Während dieser Zeit in New York traf er Marcel Duchamp. Dieser wurde ein wichtiger Freund, Fürsprecher und Sammler seiner Skulpturen.
Ab 1914 begann er zu fotografieren. Viele seiner Aufnahmen zeigten sein eigenes Atelier, dokumentierten die präzise Anordnung seiner Werke. Dies war für seinen kreativen Prozess von höchster Bedeutung, denn er erachtete die Basis einer Skulptur als ebenso wesentlich wie die Skulptur selbst.
Ab 1909 wandte er sich weicheren, stärker konturierten Skulpturen aus Marmor und Bronze zu.
Er schuf mehrfache, doch stets eigenständige Versionen. So entwickelte er im Laufe seiner Karriere eine Methode, serielle Variationen zu einem Thema zu erstellen – eine Praxis, die zu einem festen Bestandteil seines Œuvres wurde.
Obwohl er den Großteil seines Lebens in Paris verbrachte und nur wenige Reisen nach New York unternahm, erkannte er die entscheidende Rolle amerikanischer Sammler und Kritiker für seine Karriere. Er sagte einmal: „Ohne die Amerikaner hätte ich all das niemals schaffen können, vielleicht hätte ich sogar nie existiert.“
GALERIE
Schlafende Muse. Constantin Brancusi. 1909
Mademoiselle Pogany. Constantin Brancusi. 1913 – Standort: MoMA (New York)
Kopf. Constantin Brancusi. 1920
Vogel im Raum. Constantin Brancusi. 1928 – Standort: MoMA (New York)
Fisch. Constantin Brancusi. 1930. Standort: Museum of Modern Art (MoMA), New York, USA
Der Endlose Pfeiler. Constantin Brancusi. 1937









