
Das Martyrium der Heiligen Ursula, Caravaggio
Das Martyrium der Heiligen Ursula, Caravaggio
Das Martyrium der Heiligen Ursula ist wohl das letzte vollendete Gemälde von Caravaggio. Tatsächlich verewigt er sich in diesem Werk ein letztes Mal selbst – ein ergreifendes Selbstporträt.
Bevor wir uns dem Gemälde widmen, tauchen wir ein in die Geschichte der Heiligen Ursula. Diese Heilige der Katholischen Kirche stammte aus der Britannien; ihr Martyrium erlitt sie um das Jahr 383 in Köln, damals ein Teil Deutschlands. Nach der Legenda Aurea des Jacques de Voragine: Auf der Rückreise von einer Pilgerfahrt nach Rom wurde Ursula, eine bretonische Prinzessin, zusammen mit ihren Gefährtinnen, den 11.000 Jungfrauen, von den Hunnen gefangen genommen, die damals Köln belagerten.
Nachdem sie sich geweigert hatte, Attila, ihren Anführer, zu heiraten und ihrem Glauben abzuschwören, wurden sie und ihre Gefährtinnen von Pfeilen durchbohrt.

Das Leben der Heiligen Ursula:
Ursula ist die Schutzpatronin Kölns und der Tuchmacher; sie gab dem Orden der Ursulinen ihren Namen, einer Gemeinschaft, die sich der Mädchenbildung verschrieben hat. Ihr Gedenktag fällt auf den 21. Oktober.
Eine Betrachtung des Werkes...
Dieses Gemälde, einst von der Genueser Familie Doria in Auftrag gegeben, blieb bis 1973 in deren Besitz. Dann erwarb es die neapolitanische Niederlassung der Banca Commerciale Italiana. Heute können wir es im Palazzo Zevallos Stigliano an der Via Toledo in Neapel bewundern.
Die klassische Ikonografie stellt Ursula häufig inmitten ihrer Gefährtinnen dar, oder in Heiligenzyklen, die ihre Abreise, ihre Pilgerfahrt und ihre Marter zeigen. Caravaggio jedoch, ganz der Meister, der er war, fokussiert die Handlung auf eine Handvoll Charaktere.

Im Vordergrund sehen wir einen Soldaten, wohl Attila darstellend, in goldener Rüstung und rot gewandet. Er lässt die Sehne seines Bogens los, dessen Pfeil in das Herz der Heiligen dringt, die
auf ihre Wunde blickt; das Blut ergießt sich auf das Rot ihres Gewandes und verschmilzt nahtlos damit. Hinter Ursula erheben sich die Köpfe zweier Gestalten, und jene mit dem gestreckten Hals soll Caravaggios eigenes Selbstporträt sein.
Die Restaurierung des Gemäldes offenbarte neben den ursprünglichen Farben eine offene Hand, die den Betrachter abzuweisen scheint, um die Protagonisten in einer düsteren, dramatischen Szenerie zu belassen, ganz im Sinne des Barock.









