
Der Zirkus – Georges Seurat
Der Zirkus – Georges Seurat
Der Zirkus, ein Meisterwerk des Franzosen Georges Seurat, gilt als eines seiner wichtigsten Werke. Es ist bekanntlich sein letztes, vollendet kurz vor seinem Tod im März 1891.
Das hier aufgegriffene Thema, die Welt des Zirkus, erfuhr im ausgehenden 19. Jahrhundert eine bemerkenswerte Steigerung seiner Präsenz in der Kunst.
Das Werk, obschon unvollendet, fand dennoch seinen Platz im 7. Salon der Unabhängigen. Dort löste es allerdings sogleich eine Welle der Kontroverse aus, da seine stilistische Nähe zu Plakaten des französischen Malers Jules Chéret nicht zu übersehen war. Manch einer erhob prompt den Vorwurf des Plagiats.
Die Zirkusse des 19. Jahrhunderts in Frankreich – sie waren wahrhaftig ein Schauspiel für die Sinne! Ihre schillernde Riege von Künstlern bot den Impressionisten reiche Inspiration.
Man denke nur an die Darbietungen: Giganten, Elefanten auf Fahrrädern, waghalsige Akrobatiknummern – alles dabei.
Ein entscheidender Unterschied zu den Zirkuskünstlern anderer europäischer Metropolen: In Paris wurde ihnen ungleich mehr Respekt zuteil.
Dieser hohe Stellenwert führte dazu, dass viele ihrer Auftritte Einzug in berühmte Gemälde und Erzählungen fanden.
Das Cirque Fernando in Montmartre, wohl von Seurat selbst gern besucht, zählte zu den beliebtesten seiner Zeit. Es war legendär für seine Anziehungskraft auf Dichter und Maler.
Dieser Zirkus bot seinen Zuschauern eine unvergleichliche Intimität. Eine solche Atmosphäre ließ sich nirgendwo sonst nachbilden, begünstigt durch seine steile Sitzanordnung und die vergleichsweise kleine Arena.
So interpretierte Seurat dies in seinem berühmten – wenn auch unvollendeten – Zirkusgemälde. Es fängt die reine Emotion und das aufregende Treiben eines Zirkusausschnitts ein, vibrierend vor aufsteigenden Linien, die das Auge zur Bildvorderseite lenken, genau dorthin, wo das Geschehen pulsiert.
Der Clown im Vordergrund, mit weiß geschminkter Haut, hebt sich markant ab gegen sein scharlachrotes Haar und Gewand.
Der elegant gekleidete Ringmeister auf der rechten Seite steht exponiert vor einer Ansammlung von Clowns, direkt vor ihm ein springender Akrobat.
Die zentrale Figur der Komposition? Eine junge Frau, die kühn ein wildes weißes Pferd reitet, vom Mittelpunkt zur linken Bildseite stürmend.
Georges Seurat selbst erlebte die Ausstellung seines Werkes nicht mehr. Doch die Tatsache, dass es selbst in seiner unvollendeten Form präsentiert wurde, war eine immense Ehre. Ein Tribut an sein Andenken und eine Geste der Wertschätzung seiner impressionistischen Kollegen.
Doch die Geschichte hält ein bizarres Detail bereit: Als eindrucksvoller Beleg für seine Bedeutung ist Der Zirkus heute in einem der prestigeträchtigsten Museen Frankreichs zu bewundern: dem Musée d'Orsay in Paris.
Als finales Werk eines hochbegabten Malers übt Der Zirkus bis heute eine besondere Anziehungskraft auf die Kunstkritik aus. Es dient als Fenster zur Entwicklung einer Kunstrichtung, deren Echo über die nachfolgenden Jahrzehnte hinweg weithin vernehmbar bleiben sollte.









