Ölgemälde eines Männerporträts mit Schnurrbart und Hut, formell gekleidet in verschwommenen Blau- und Brauntönen.
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Heitor dos Prazeres

Heitor dos Prazeres

A

Arthur

Historische Kuration

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Ein wahres Multitalent: Heitor dos Prazeres war Komponist, Sänger, Designer und bildender Künstler aus Brasilien. Man zählt ihn heute zu den herausragendsten primitivistischen Malern seines Landes.

Als Komponist schuf er klassische Sambas. Er gehörte zu den treibenden Kräften hinter der Carioca-Samba-Schulen-Bewegung und gründete selbst etliche davon.

Als Samba-Pionier war er Teil der allerersten Samba-Schulen Brasiliens und prägte Klänge, die heute untrennbar mit der Region verbunden sind.

Heute ist er kurioserweise wohl eher für seine Gemälde bekannt – doch diese Schaffensperiode begann erst viel später in seinem Leben.

BIOGRAFIE

Heitor dos Prazeres erblickte am 23. September 1898 in Rio de Janeiro das Licht der Welt. Er stammte aus einer Familie mit tiefer Liebe zur Musik und wuchs umgeben von Künstlern und Instrumenten auf.

Sein Vater spielte Klarinette in der Kapelle der Nationalgarde, und sein Onkel, Hilário Jovino Ferreira, zählte zur ersten Generation urbaner Samba-Musiker.

Vor seinem frühen Tod brachte der Vater ihm bei, Klarinette in den unterschiedlichsten Rhythmen zu spielen – Polkas, Walzer, Choros und Märsche. Er öffnete damit dem Sohn die Augen für die unendlichen Weiten der Komposition.

Musik war omnipräsent, als der junge Heitor in die Kunstszene Rios eintrat.

Onkel Hilário schenkte ihm sein erstes Cavaquinho, ein kleines portugiesisches Saiteninstrument aus der Familie der europäischen Gitarre. Heitor beherrschte es im Handumdrehen.

Heitor spielte bald auf religiösen Candomblé-Treffen in Privathäusern, wo auch andere erfahrene Musiker afrikanische Rhythmen wie Jongo, Lundu, Cateretê und Samba darboten.

In den 1930er Jahren, nach einer turbulenten Jugendzeit, die auch zwei Monate in der Strafkolonie Dois Rios auf der Ilha Grande umfasste, gründete Heitor die Grupo Carioca. Er wurde Rhythmusmusiker beim Rádio Nacional und trat regelmäßig im Cassino da Urca auf – einem Carioca-Nachtclub, der in der Stadt florierte, obwohl Glücksspiele verboten waren.

 Im Cassino da Urca spielte und sang er Seite an Seite mit Grande Otelo und Josephine Baker.

Dort lernte er den Filmemacher Orson Welles kennen, für den er als Komparsen-Caster tätig war.

1931 heiratete er Dona Gloria. Aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor: Ivete, Iriete und Ionete Maria.

Im selben Jahr kehrte er den Samba-Schulen den Rücken und wechselte zum Rádio Educadora, bald darauf folgten Rádio Sociedade, Clube und Philips. Dort wirkte er in der bekannten Sendung Casé mit.

Er gründete einen Frauenchor zur Begleitung und trat unter dem Namen Heitor e Sua Gente auf.

Zu seinen populärsten Liedern zählen: „Cantar para não Chorar“, komponiert in Zusammenarbeit mit Paulo Portela;  „Carioca Boêmio“; „Consideração“, entstanden mit Cartola; und  „Pierrot Apaixonado“, eine Zusammenarbeit mit Noel Rosa.

Im Jahr 1936 markierte der Tod seiner Frau einen tiefgreifenden Wendepunkt in seinem kreativen Schaffen.

Es war jene Zeit, in der er begann, sich auf die bildenden Künste zu konzentrieren, insbesondere auf die Malerei.

Seine Freunde, darunter der Kunstkritiker Carlos Cavalcante, der Maler Augusto Rodrigues und der Schriftsteller Carlos Drummond de Andrade, ermutigten ihn nachdrücklich.

Neben der Malerei fertigte er Perkussionsinstrumente an und entwarf Kostüme, Requisiten sowie Bühnenbilder für zahlreiche Aufführungen.

Er spielte eine wegweisende Rolle in einer größeren Bewegung; sein reicher und produktiver Beitrag zur Kunst trug dazu bei, den Ruf der Region als einen der lebendigsten Orte kreativen Schaffens weltweit zu festigen.

Ein Jahr nach seinem ersten Ausflug in die Malerei begann der Künstler, seine Werke in öffentlichen Ausstellungen zu präsentieren.

GALERIE – KOMMENTIERTE KUNSTWERKE

Seine Gemälde widmen sich Themen der brasilianischen Populärkultur. Sie zeigen und ehren die Traditionen sowie den Alltag der urbanen schwarzen Bevölkerung Brasiliens.

Wiederkehrende Motive in seinen Werken sind Darstellungen von Samba-Musikern und -Tänzern, Karnevalsfestivitäten und das Leben in den Favelas. Ebenso finden sich Szenen aus den religiösen Traditionen seiner Kindheit, etwa Candomblé und Umbanda.

Sie vermitteln auf eindringliche Weise ein tiefes Gefühl von Lebendigkeit. Seine Bilder fangen zeitlich aufgeladene Momente glänzend ein.

Menschen, die er kannte und schätzte, inspirierten einige der wiederkehrenden Figuren, die sein Werk bevölkern. Diese stammten aus dem geschäftigen Viertel zwischen der Cidade Nova und dem Cais do Porto in Rio, bekannt als „Pequena África“.

Auch Selbstporträts des Künstlers tauchen in mehreren seiner Gemälde auf.

Durch dynamische, nuancierte Darstellungen, mit großer Liebe zum Detail bei Kleidung, Schmuck und Gesichtsausdrücken, rückt der Künstler oft von der breiteren brasilianischen Gesellschaft marginalisierte Figuren ins Zentrum.

Juni-Fest. Heitor dos Prazeres. 1963
Karnevalstanz. Heitor dos Prazeres. 1963
Ciranda, Heitor dos Prazeres. 1964
Tanz. Heitor dos Prazeres. 1965. Ort: Museu de Arte de São Paulo Assis Chateaubriand
Serenade. Heitor dos Prazeres. 1965
Johannisfest. Heitor dos Prazeres. 1966

Er verstarb im Alter von 68 Jahren am 4. Oktober 1966 in Rio de Janeiro.


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