
Johannes Vermeer: Geburt und die prägenden Jahre eines Meisters
Ein tiefgehender Einblick in die Jugend und die Anfänge der Karriere von Johannes Vermeer, einem der größten Meister des holländischen Barocks.
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Johannes Vermeer, eine zentrale Figur des niederländischen Barocks, hinterließ ein Werk, das bis heute zu den meistgeliebten und tief verehrten Schöpfungen der Kunstgeschichte zählt. Seine Gemälde bestechen durch eine bemerkenswerte Reinheit in Lichtführung und Formensprache. Sie strahlen eine heitere, zeitlose Würde aus. Man kennt den Künstler auch als Jan Vermeer.
Seine Kunst? Sie ist geprägt von einer einzigartigen Feinsinnigkeit. Vermeer verstand es meisterhaft, die Essenz des Alltags, die Natur selbst, in Augenblicken tiefer Schönheit und stiller Gelassenheit festzuhalten.
BIOGRAFIE
Johannes Vermeer erblickte am 31. Oktober 1632 in der niederländischen Handelsstadt Delft das Licht der Welt. Seine Familie gehörte dem unteren Mittelstand an. Der Vater, Reijnier Jansz, verdiente seinen Lebensunterhalt als Weber – er fertigte feinsten Satinstoff, „Caffa“ genannt. Zugleich betätigte er sich als Kunsthändler. Die Mutter, Digna Baltus, führte ein schlichtes Haus.
In den 1640ern, noch ein Teenager, trat Vermeer eine Malerlehre an. Sein Vater scheute keine Kosten, um dem Sohn eine glänzende Zukunft zu ermöglichen. Wer genau Vermeers Lehrmeister war, bleibt jedoch im Dunkeln – gesicherte Beweise fehlen. Die These einiger Historiker: Der junge Vermeer war womöglich Schüler eines Meisters im Umfeld Rembrandts, oder aber des Malers Carel Fabritius, der ihm seine erste Ausbildung zukommen ließ. Wieder andere wiederum sehen den ebenfalls aus Delft stammenden Pieter van Groenwegen als seinen prägenden Lehrer.
Die Familie hatte es zu Wohlstand gebracht, konnte ein stattliches Haus mit einer Herberge am Marktplatz kaufen. Vermeer verfolgte seine Malerkarriere nun mit voller Entschlossenheit. Als sein Vater im Oktober 1652 starb, erbte der Künstler sowohl die Herberge als auch den florierenden Kunsthandel.
Das Jahr 1653 brachte Vermeers Heirat mit Catherina Bolnes. Sie entstammte einer angesehenen katholischen Familie aus Delft. Die Eltern beider Seiten lehnten die Verbindung zunächst ab – zu unterschiedlich waren ihre christlichen Überzeugungen; Vermeers Familie war protestantisch. Doch die Zeremonie fand statt, nachdem Vermeer zum Katholizismus konvertiert war. Möglicherweise als Beweis seiner neuen Frömmigkeit schuf er daraufhin sein erstes bekanntes Werk: Christus im Hause von Martha und Maria. Dies blieb seine einzige bekannte Darstellung einer biblischen Geschichte.
Noch im Jahr seiner Heirat schlug Vermeer den Weg des Vaters ein: Er ließ sich als Meistermaler in der Lukasgilde registrieren. Ein kluger Schachzug! Damit erschloss er sich eine Fülle an Möglichkeiten, an Förderern und wertvollen Kontakten, die seine Laufbahn beflügelten. Seine frühen Arbeiten zeugen noch deutlich vom Einfluss großer Meister, etwa Rembrandt und Caravaggio
1662 stieg Vermeer zum Oberhaupt der Lukasgilde auf. Eine Position, die ihn direkt mit Patrons, Künstlern und Sammlern Delfts zusammenführte! Diese neue Rolle festigte seinen Ruf als anerkannter Maler, der sich aus eigener Kraft einen Namen gemacht hatte. Doch die geringe Zahl seiner erhaltenen Gemälde lässt viele Kunsthistoriker vermuten, er habe kaum mehr als drei Werke pro Jahr vollendet.
Ein kurioses, beinahe tragisches Ereignis erschütterte das Jahr 1663. Eines Tages, während Vermeer außer Haus war, tauchte Willems verschollener, aggressiver Bruder wieder auf. Er attackierte die schwangere Catherina brutal, drohte ihr sogar mit dem Messer! Doch das Schlimmste wurde verhindert: Die Dienerin der Vermeers warf sich mutig zwischen die Geschwister und rettete so Mutter und ungeborenes Kind. Den Gerichtsakten zufolge wurde Willem daraufhin bis zu seinem Lebensende inhaftiert. Bemerkenswerterweise hinterließ dieses brutale, traumatische Intermezzo keinerlei Spuren in Vermeers Kunst.
Der Künstler nutzte für seine Werke bekanntlich auch höchst kostbare Pigmente. Lapislazuli etwa für den Rock der Milchmagd, tiefes Karmin für das Kleid von Das Mädchen mit dem Weinglas . Manch einer vermutet, Vermeers langjähriger Förderer, Pieter van Ruijven, könnte ihm diese exklusiven Materialien besorgt und bereitgestellt haben. Wenig überraschend jedoch, dass der Maler just in dieser Zeit in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten geriet.
Neugierig, wie diese Reise weitergeht? Dann lesen Sie unbedingt unseren nächsten Artikel: Johannes Vermeer: Tod, Vermächtnis und die Wiederentdeckung eines Genies.









