
Abstrakte Kunst
Abstrakte Kunst
Abstrakte Kunst ist eine Ausdrucksform, die sich gerade nicht darum bemüht, die Wirklichkeit objektiv darzustellen.
Stattdessen legt sie ihren Fokus auf Farben, Formen, Linien und Texturen, um ihre visuelle und emotionale Wirkung zu entfalten.
Entstanden im frühen 20. Jahrhundert, brach die abstrakte Kunst radikal mit konventionellen künstlerischen Traditionen wie Realismus und Impressionismus. Sie suchte eine freiere, subjektivere Bildsprache.
Künstler wie Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch waren Pioniere dieser Bewegung. Sie erkundeten neue Ausdrucksformen und forderten die traditionelle Vorstellung heraus, Kunst sei bloße Abbildung der sichtbaren Realität.
Bis heute ist die abstrakte Kunst eine wichtige Ausdrucksform geblieben. Sie ermöglicht Künstlern, die Innenwelt und menschliche Emotionen auf zutiefst persönliche und innovative Weise zu ergründen.
Abstrakte Kunst: Ein Überblick
Oft wird der abstrakten Kunst eine moralische Dimension zugeschrieben. Man sieht in ihr Tugenden wie Ordnung, Reinheit, Einfachheit und Spiritualität verkörpert.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bildete die abstrakte Kunst einen Kernstrom der sogenannten „modernen Kunst“. Sie wandelte sich beständig im Laufe des Jahrhunderts.
Ihre Wurzeln hat die Abstraktion im Impressionismus, Post-Impressionismus und Kubismus. Alle drei Strömungen trugen maßgeblich dazu bei, die Erkenntnis zu festigen, dass Kunst auch nicht-repräsentativ sein darf.
Wegbereiter der abstrakten Kunst
1910, Wassily Kandinsky: Expressionistische Werke zeichneten sich durch intensive, farbige, nicht-naturalistische Pinselstriche aus. Diese entsprangen oft den innersten Gefühlen des Künstlers.
1913/14 – Juan Gris: Kubistische Kunstwerke nahmen stets ihren Ausgangspunkt in der Realität – oft Objekte und Figuren. Deren Elemente wurden dann in verschiedene Bereiche oder Ebenen zerlegt, um simultan unterschiedliche Perspektiven zu zeigen.
1912-1914 – Robert Delaunay: Orphismus, geprägt vom französischen Dichter und Kunstkritiker Guillaume Apollinaire. Der Name leitet sich vom Musiker Orpheus aus der griechischen Mythologie ab, da Apollinaire die Malerei als musikähnlich empfand.
1915 oder 1916 – Kasimir Malewitsch, Suprematismus: Malewitsch schuf eine neue Form der Abstraktion, um die Kunst von der realen Welt zu befreien. Neben dem berühmten „Suprematistischen Quadrat“ entwickelte er eine ganze Bandbreite an Formen. Diese waren oft in intensiven Farben gehalten und schwebten meist vor einem weißen Hintergrund.
1917 – Naum Gabo: Konstruktivismus, entwickelt von der russischen Avantgarde. Die Konstruktivisten ließen sich von kubistischen, dreidimensionalen Stillleben aus Schrottmaterialien inspirieren.
1920 – Joan Miró: Inspiriert von Freuds Idee der freien Assoziation – dem Wunsch, das Unbewusste zu enthüllen – schufen Künstler wie Joan Miró und Max Ernst automatische Malereien.
1920-1940 – Paul Klee: Sein höchst individueller Stil wurde von Kunstströmungen wie Expressionismus, Kubismus und Surrealismus geprägt.
1940-1950 – Jackson Pollock: Die abstrakten Expressionisten der Action Painting waren direkt vom Automatismus beeinflusst.
1960er Jahre – Victor Vasarely: Die Op Art, eine Untergattung der Post-Painterly Abstraktion, war ein Stil strenger geometrischer Abstraktion, der auf die gestischeren Formen des abstrakten Expressionismus reagierte.
Abstrakte Kunst heute
Die abstrakte Kunst prägt die heutige Kunstwelt in vielfältiger Gestalt. Sie zeigt sich zwei- und dreidimensional, kann monumental oder winzig sein.
Sie lässt sich aus unterschiedlichsten Materialien und auf diversen Oberflächen gestalten. Manchmal tritt sie in Verbindung mit gegenständlicher Kunst auf, manchmal ist sie völlig abstrakt.
Das anhaltende Interesse an abstrakter Kunst rührt von ihrer Fähigkeit her, unsere Neugier auf die Reichweite unserer Vorstellungskraft zu wecken und uns das Potenzial aufzuzeigen, etwas völlig Einzigartiges in die Welt zu bringen.

„Ich betitele meine Werke nicht, damit der Betrachter nicht nur eine Bedeutung im Kopf hat. Wenn es keinen Namen gibt, muss die Person ihr eigenes Denken nutzen.“ - Tomie Ohtake









