Ölgemälde eines Renaissance-Freskos in Blau- und Goldtönen, das einen Mann im Profil in zeittypischer Kleidung zeigt.
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Bewegung: Die Renaissance

Die Renaissance, eine Epoche des Umbruchs, ersetzte die mittelalterliche Kunst und legte den Grundstein für eine neue humanistische Weltsicht. Sie prägte Kunst, Wissenschaft und Philosophie tiefgreifend.

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Arthur

Historische Kuration

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Die Renaissance – ein Epochenbegriff, der die Kunst in Europa jener Zeit umschreibt. Sie löste die bis dato dominierende mittelalterliche Kunst ab. Diese Bewegung widersetzte sich den von der Kirche oktroyierten Idealen. Sie suchte die Vernunft; in einer Ära tiefgreifender Umwälzungen legte sie Fundamente, die weite Teile der uns vertrauten Welt prägen sollten.

Eine humanistische Weltsicht prägte diese Jahre, gestützt auf Optimismus, Individualismus und einen ausgeprägten Naturalismus. Dieser Naturalismus? Er verherrlichte das Menschliche, das Irdische – ein bewusster Gegenpol zum Göttlichen und Transzendenten des Mittelalters.

Der Künstler der Renaissance wurde zum Seismographen eines Wertewandels. Plötzlich rückte der Mensch in den Mittelpunkt des Universums. Voilà: der Begriff „Humanismus“ war geboren.

Die Epoche lässt sich in drei markante Abschnitte gliedern: Trecento, Quattrocento und Cinquecento. Das sind das 14., 15. und 16. Jahrhundert. Die letzten beiden? Oft als Hochrenaissance tituliert.

Ein neues Denken erwachte: in den Wissenschaften, der Philosophie, Architektur, Malerei und Bildhauerei. Man wollte die großen griechischen und römischen Kulturen wieder aufleben lassen. Die jüngere Vergangenheit des Mittelalters, samt seiner Architektur und gotischen Kunst? Die wurde entschieden verworfen. Schönheit definierte sich für sie nun durch Gleichgewicht, Symmetrie und Rationalität.

Die Renaissance währte viele Jahrhunderte. Doch ihren absoluten Höhepunkt erlebte sie in der Ära Michelangelos.

Giotto, jener Künstler, der von 1267 bis 1337 in Florenz wirkte, gilt als Pionier. Er gab Figuren und Landschaften mit beeindruckendem Realismus wieder, ganz im Zeichen eines naturalistischen Stils. Giottos Wirkung auf nachfolgende Maler, vor allem auf Masaccio, war enorm: Er brachte den skulpturalen Realismus und die Formstärke in die Malerei – Prinzipien, die in den monumentalen Gestalten Michelangelos und Leonardo da Vincis vielleicht ihre vollendete Entfaltung fanden.

Die Kunstgeschichte kennt kaum eine fruchtbarere Ära. Denn in der Renaissance traten die größten Geister hervor: Michelangelo Buonarroti, Raffael Sanzio und Leonardo da Vinci. Man kennt sie als "Die Dreifaltigkeit der Renaissance"

Was die Renaissance besonders auszeichnet? Sicherlich der Humanismus, weit individualistischer noch als in der Antike. Und hier, in diesem speziellen Punkt, verkörpert Leonardo da Vinci den Renaissance-Menschen schlechthin, denn in kaum einer anderen Persönlichkeit fand dieses Ideal eine so vollkommene Verwirklichung.

Die Wiederentdeckung der mathematischen Proportionen des menschlichen Körpers im 15. Jahrhundert, maßgeblich durch Leonardo da Vinci und seine Zeitgenossen, gilt als eine der größten Leistungen, die zur italienischen Renaissance führte. Ein unschlagbares Beispiel dafür? "Der Vitruvianische Mensch."

Der Vitruvianische Mensch – Symbol der Renaissance

Vitruvianischer Mensch. Leonardo da Vinci. 1490

ALLGEMEINE MERKMALE:

- Streben nach Vollendung in Malerei und Skulptur, gepaart mit der Wiederbelebung der griechisch-römischen Kultur;

- Betonung der künstlerischen und intellektuellen Fähigkeiten des Menschen (Anthropozentrismus);

- Ausgeprägtes Interesse und eine hohe Wertschätzung für kulturelle und wissenschaftliche Aspekte;

- Humanismus, der den Menschen als Dreh- und Angelpunkt des Universums begreift;

- Eine gewisse Vorliebe für Prunk und Repräsentation;

-  Besonders in der Malerei dominierte in den Kompositionen die Horizontale gegenüber der Vertikalen.

MALEREI 

Nun zur Malerei: Hier ragt Giotto di Bondone hervor, der als wahrer Wegbereiter der Renaissance gilt. Seine beeindruckenden religiösen Fresken zieren noch heute unzählige Kirchen in Italien. Das hier gezeigte Bild etwa zeigt den Einzug Jesu in Jerusalem.

Fresko in der Scrovegni-Kapelle. um 1305. Padua, Italien

Zwei Merkmale stechen in der Malerei dieser Ära hervor: Erstens, die Perspektive. Sie verlieh den Werken eine bis dahin ungekannte Illusion von Tiefe und Volumen. Zweitens, das omnipräsente "Chiaroscuro", oft auch als Sfumato bezeichnet. Diese Farbtechnik war ein Geniestreich, um zentrale Elemente dramatisch hervorzuheben und nebensächliche Partien subtil in den Schatten zu tauchen.

Im 15. Jahrhundert erfreuten sich Rundbilder, sogenannte „Tondi“, in Italien großer Beliebtheit. Hier zwei Beispiele zum selben Thema:

Die Heilige Familie (Das Tondo Doni). Michelangelo Buonarroti. 1504-06

Die Heilige Familie mit der Palme. Raffael Sanzio. 1506

Nicht zu vergessen: Sandro Botticelli.  Unes seiner prägnantesten und wichtigsten Renaissance-Werke ist  La Primavera. Dieses Gemälde schöpfte aus der heidnischen Mythologie, wo besonders die Göttin Flora und die Drei Grazien ins Auge springen:

La Primavera – Botticellis Meisterwerk der Renaissance

LA PRIMAVERA. Sandro Botticelli. 1482 - Tempera auf Holz (203 cm × 314 cm) - Uffizien, Florenz (Italien) - KLICKEN SIE HIER für weitere Informationen

SKULPTUR 

Blickt man auf den Humanismus, so ist die Skulptur jene Kunstform, die das Renaissance-Ideal am prägnantesten verkörpert. In dieser Ära erlangte sie eine neue Unabhängigkeit: Zumeist auf einem Sockel platziert, konnte der Betrachter sie nun von allen Seiten erfassen, in ihrer vollen dreidimensionalen Pracht.

Um den Humanismus zu betonen, und oft im Widerspruch zur christlichen Orthodoxie, war der Akt ein häufiges Motiv. Er feierte die vollkommenen Proportionen, ließ die Muskeln der menschlichen Gestalt sichtbar werden – ein klares Bekenntnis zum Naturalismus.

Hauptbildhauer: Michelangelo und Donatello

Michelangelo war gerade 23, als er den Bacchus meißelte. Er schaffte es, die schlanke Gestalt eines Jünglings mit weichen, fast weiblichen Konturen zu verschmelzen. Die Skulptur selbst verkörpert Dionysos, den griechischen Gott des Weines: Mund leicht geöffnet, der Blick schielend, Weinreben im Haar, ein Kelch in der Rechten, und über der Linken drapiert ein Tigerfell.

Entstanden zwischen 1496 und 1497, ist sie aus edlem Marmor gefertigt und ragt 2,3 Meter hoch empor.

ARCHITEKTUR 

In der Renaissance verstanden die Architekten: Die Wurzeln der klassischen Baukunst liegen in der euklidischen Geometrie, wo das Quadrat als grundlegendes Element diente. Für eine harmonische Gestaltung nutzten sie zudem die Perspektive in ihren Entwürfen. Auch die Palastbauten spiegelten dies wider: oft flach angelegt, mit quadratischem Grundriss und einem zentralen, ebenfalls quadratischen Innenhof. Dieser sorgte für ein helles Ambiente in den innenliegenden Räumen.

Hauptarchitekten: Filippo Brunelleschi und Donato Bramante

Bramante zeichnete für die gewaltigen Dimensionen des Petersdoms verantwortlich; der Bau begann 1506. Später setzte Michelangelo Buonarroti die Arbeit fort, dessen Einfluss weit über die reine Architektur hinausreichte.

Der Petersdom ist das größte und bedeutendste Sakralgebäude der katholischen Kirche. Heute zählt er zu den meistbesuchten christlichen Stätten weltweit.

Petersdom. Vatikan


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