Expressionistisches Ölgemälde, das Emiliano Di Cavalcanti an der Seite seiner künstlerischen Musen in Pastell- und Hellblautönen zeigt.
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Emiliano Di Cavalcanti: Themen, Musen und sein Erbe in der brasilianischen Kunst

Emiliano Di Cavalcanti: Themen, Musen und sein Erbe in der brasilianischen Kunst

A

Arthur

Historische Kuration

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Das Genie widmete seine ganze Seele der Bemalung der berühmtesten Kapellendecke der Welt.

DER KÜNSTLER UND SEIN WERK: Emiliano Di Cavalcanti

Spricht man über Di Cavalcanti, wird seine Bedeutung – nicht nur in Brasilien, sondern weit über dessen Grenzen hinaus – unverkennbar.

Er revolutionierte die Kunstwelt. Grenztenlos, mit einem Stil, der so unverkennbar brasilianisch war.

Sein Werk schöpfte aus dem Expressionismus, dem Kubismus und der prägnanten Kunst der mexikanischen Muralisten. Doch stets nahm er sich typisch brasilianischer Themen an, unser Samba etwa, das pulsierende Herz seiner Heimat.

So finden sich in seinen Gemälden lebendige brasilianische Volksfeste, das Antlitz von Arbeitern und unzählige andere Facetten des nationalen Lebens wieder.

Die Rioer Boheme liebte er, das zeigte sich auch in seinen Bildern. Er malte Frauen in ihren vielfältigen Lebensmomenten. Mit einem für die damalige Zeit geradezu revolutionären Blick erfasste er sie in unterschiedlichen Stilen, besonders die Mulatas.

Mulatin von Di Cavalcanti, 1957
Mulatin. Emiliano Di Cavalcanti. 1957

In Di Cavalcantis Werk stößt man auf Brasiliens soziale Themen: Volksfeste, die Mühsal der Arbeiter, das Leben in den Favelas, gesellschaftliche Proteste. Doch das Thema „Frau“ – in all ihren Facetten – blieb stets die unbestreitbare Leidenschaft des Künstlers.

Das MAC (Museu de Arte Contemporânea) beherbergt in seiner Sammlung nicht nur Gemälde, sondern auch eine beeindruckende Serie von über 500 Zeichnungen. Sie umspannen die Zeit von den 1920er Jahren bis 1952: Grafitarbeiten, Gouachen, Tuschezeichnungen, Aquarelle – allesamt großzügig vom Künstler selbst gestiftet.

Porträt von Marina Montini, gemalt von Emiliano Di Cavalcanti
Marina Montini. Emiliano Di Cavalcanti. 1969

In vielen seiner Mulatas begegnet uns Marina Montini, ein brasilianisches Model und eine Schauspielerin, seine unangefochtene Hauptmuse. Sie trug den Beinamen „die Mulata Di Cavalcantis“. Und diesen Namen führte sie viele Jahre.

Das Model wurde vom Maler entdeckt, durch eine Reportage der Revista Manchete Ende der 60er Jahre.

Ihr Zauber wirkte sofort, so sehr, dass der Maler keine Ruhe fand, bis er das Model für sich gewonnen hatte.

Sie posierte für den Maler fast täglich, zwischen 1969 und 1976.

Gravur von Marina Montini, gefertigt von Emiliano Di Cavalcanti
Marina Montini. Emiliano Di Cavalcanti  (Gravur). 1973

In der Gravur Mulata com Pássaro erkennen wir unmissverständlich Marina Montini. Seine große, inspirierende Muse. Jahre der Komplizenschaft, künstlerisch wie persönlich, verbanden die beiden.

Manche munkeln, sie seien Liebende gewesen. Und nach dem Tod des Künstlers sei das Model in eine tiefe Depression verfallen, die sie in den Alkohol abgleiten ließ.

Diese tiefe Verbindung zwischen Muse und Maler prägte das Model ihr Leben lang.

Als der Höhepunkt ihrer Karriere verblasste, folgten gesundheitliche Probleme: Komplikationen einer Zirrhose.

All dies führte zu finanziellen Engpässen. Sie musste ins Retiro dos Artistas ziehen, ein Altersheim für Künstler, ab 1976 in Jacarepaguá (RJ).

Sie starb 2004, im Alter von 58 Jahren, isoliert und vergessen.

 

Der Filmemacher Glauber Rocha, ein glühender Verehrer Di Cavalcantis, erwies dem Maler während dessen Beerdigung eine ungewöhnliche Ehre – sehr zum Protest der Familie.

Er wagte es, die Beisetzung des geschätzten Malers mit festlichen, karnevalistischen Klängen zu untermalen. So nahm er dem Tod seine kulturelle Schwere.

Die Atmosphäre der Trauer durchbrach er, ersetzte sie durch ausgelassene Freude.

Er forderte das Tabu des Todes heraus. Indem er Facetten seines Lebens, seiner Beziehung zum Maler zeigte, filmte Glauber Rocha beim Dokumentieren des Todes in Wahrheit das Leben selbst.

Diesen Todestabu zu brechen war derart schockierend, dass die Familie die Vorführung des Films bis heute untersagt.

Der Filmemacher rechtfertigte sich: „Den Tod zu karnevalisieren und die Lebensaspekte Di Cavalcantis hervorzuheben, ist die schönste Form der Ehrerbietung, die ich kenne. Die Bedeutung des Todes geringschätzen heißt, ihn mit den Erinnerungen an das Leben zu überwinden. Zu sagen, dass Di Cavalcantis Leben und Werk derart gut und prägend waren, dass der Tod lediglich einen Vorwand für eine Feier des Lebens und des fortbestehenden Vermächtnisses des Malers darstellt.“


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