Renaissance-Ölgemälde, das Venus und Amor in Pastelltönen von Blau und Rosa darstellt, mit Seiden- und Schmuckdetails.
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Eine Allegorie mit Venus und Amor – Agnolo Bronzino

Eine Allegorie mit Venus und Amor – Agnolo Bronzino

A

Arthur

Historische Kuration

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Eine Allegorie mit Venus und Amor zählt zu den bekanntesten Werken Agnolo Bronzinos und repräsentiert eine der Hauptwerke des Manierismus überhaupt. Dieses wunderschöne Gemälde, durchdrungen von Geheimnissen, ist ein treffender Beleg für das Talent eines Künstlers, der am Ende der Renaissance wirkte.

Renaissance-Ölgemälde, das Venus und Amor in Pastelltönen von Blau und Rosa darstellt, mit Seiden- und Schmuckdetails.
Eine Allegorie mit Venus und Amor. Agnolo Bronzino. ca. 1542 – Ort: National Gallery, London

Das Gemälde entstand wohl im Auftrag des Herzogs Cosimo de' Medici von Florenz, der es König Franz I. von Frankreich schenken wollte. Der König und sein adeliges Gefolge konnten so die erotische Ausstrahlung des Werks genießen, wobei ihr Interesse an solch suggestiven Darstellungen als kulturell legitim galt.

Die Komposition offenbart eine Reihe von Figuren, die sich vor einem Hintergrund aus meisterhaft gemaltem, extravagant teurem Ultramarin-Satin abheben. Die Hauttöne, die sich vor diesem opulenten Stoff präsentieren, wirken eher kühl – fast, als wolle der Künstler bewusst eine Verbindung zum Marmor antiker Statuen herstellen. Jeder einzelne Zentimeter des Bildes glänzt in brillanter Ausführung, entfaltet immer wieder neue Reize beim genauen Betrachten. Das Werk ist unverkennbar erotisch, und Bronzino zeigt hier keinerlei Zurückhaltung.

Das Bild ist durchwoben von verborgenen Bedeutungen, die Gefühle nahelegen, welche untrennbar mit jeder dargestellten Figur verknüpft sind. Während die Hauptakteure zwar erkennbar sind, gibt es doch lebhafte Diskussionen um ihre genaue Identität. Venus, eine Goldapfel haltend – ein Verweis auf das Urteil des Paris –, wird inzestuös von ihrem Sohn Amor umarmt, der auf einem großen, von wunderschöner rosafarbener Seide bedeckten Kissen kniet. In der rätselhaften Welt der Allegorie ist dieses Kissen als Symbol der Wollust zu deuten. Somit dürfen wir mit Sicherheit festhalten, dass das Bild um die Themen Liebe, Lust und Vergnügen kreist, ebenso wie um die oft unheilvollen Folgen einer solchen Verbindung.

Das nackte Kind rechts von Venus verkörpert wahrscheinlich das Törichte Vergnügen, welches im Begriff ist, eine Handvoll Rosenblätter auf Venus und Amor zu werfen. Dahinter erblickt man eine schauerliche Darstellung der Täuschung, deren schönes Antlitz, so bemerkt man mit Entsetzen, an einen übertrieben monströsen Schlangenkörper gefesselt ist. In einer Hand hält sie eine süße Honigwabe, doch in der anderen verbirgt sich ihr Gift. Die Botschaft ist unmissverständlich: Lüsternes Treiben mag kurzfristig genussvoll sein, kann jedoch auch zu weit weniger angenehmen Konsequenzen führen. Verwirrenderweise existiert jedoch noch eine andere Deutung, nach der das schöne Gesicht nicht der Täuschung, sondern der Lust gehört, mit dem nackten Kind als Torheit.

Beim Betrachten der übrigen Randfiguren verschwimmen die Deutungen des Gezeigten noch weiter. Direkt über dem Vergnügen entdecken wir Vater Zeit, der seine Sanduhr eher unpassend auf seiner rechten Schulter balanciert. Er streckt einen ungewöhnlich langen Arm über einen Großteil der Komposition aus und widersteht entschlossen den Bemühungen einer geheimnisvollen Gestalt, die in der oberen linken Ecke des Bildes residiert und offenbar versucht, den Hintergrund über die gesamte Szene zu ziehen. Diese maskenhafte Erscheinung ist wohl das Vergessen, denn ein Teil des Kopfes, jene Hirnbereiche, die für die Erinnerung zuständig sind, fehlen. Unterhalb des Vergessens ringt eine schreiende Figur um ihren Kopf. Die Bedeutung dieser Gestalt ist unklar; sie könnte Eifersucht oder Verzweiflung darstellen. Eine andere Theorie jedoch schlägt vor, dass die Figur die Personifikation der Syphilis ist, die erst kürzlich in Europa angekommen war und somit ein überaus eindringliches, zeitgenössisches Beispiel für die Schattenseiten der Wollust darstellte.

Im unteren linken Bildbereich, hinter den Füßen der Venus, liegen zwei Masken, die an die traditionellen Theatermasken der Komödie und Tragödie gemahnen; im unteren rechten Winkel wiederum eine einzelne weiße Taube, die der verbotenen Szene den Rücken zukehrt.

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