Gustave Courbets Biografie: Kindheit, Ausbildung und der Beginn des Realismus
Gustave Courbets Biografie: Kindheit, Ausbildung und der Beginn des Realismus
Arthur
Historische Kuration
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Gustave Courbet prägte maßgeblich die Geburt des Realismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Die klassischen und theatralischen Stile der Académie Française wies er entschieden zurück. Stattdessen beharrte Courbets Kunst auf der physischen Realität der von ihm erblickten Objekte – selbst wenn diese Realität schlicht und fehlerbehaftet daherkam. Sein Schaffen gilt als bedeutsamer Vorbote für frühe Modernisten wie Édouard Manet und Claude Monet.
BIOGRAFIE
Jean Désiré Gustave Courbet erblickte am 10. Juni 1819 das Licht der Welt – in Ornans, einer beschaulichen Stadt im Herzen der französischen Franche-Comté. Er war das älteste von vier Kindern, stammend aus einer eng verbundenen und wohlhabenden Familie; der ausgedehnte Besitz des Vaters garantierte diesen Wohlstand.
Seiner Familie gegenüber empfand Courbet zeit seines Lebens tiefen Respekt und Zuneigung. Zahlreiche Porträts von ihnen, oft eingebettet in die Figuren seiner großformatigen Kompositionen, zeugen davon. Eine vergleichbare Liebe hegte er für seine Heimatregion, die er immer wieder als Kulisse in seinen Werken verewigte...
Bereits als Schüler liebte es Courbet, im Mittelpunkt zu stehen, seine Mitschüler mit seinem früh erkennbaren Witz zu unterhalten.
Obwohl Courbets allgemeine Bildung fundiert war, begann seine formale Kunstausbildung denkbar schlicht. Mit vierzehn Jahren erhielt er Unterricht bei einem Maler aus Ornans, einem ehemaligen Schüler des Neoklassizisten Antoine-Jean Gros – wohl eine erste Wegbereitung. Auf Anregung seines Vaters begann er ein Jurastudium an einem lokalen College, doch Unglück begleitete ihn dort. Erst als ein Zeichenlehrer des Colleges ihn zu Malstunden in einem häuslichen Atelier einlud, entfachte sich neue Zuversicht in sein künstlerisches Potenzial. Das überzeugte ihn schließlich, seiner wahren Leidenschaft zu folgen.
1837 zog er nach Besançon, um im Atelier eines Schülers des Malers David sein Handwerk zu erlernen.
Gerade zwanzigjährig, kam Courbet nach Paris, um sich an der juristischen Fakultät einzuschreiben. Doch er verwarf diesen Berufsweg rasch, zog es vor, das Atelier von Charles de Steuben zu besuchen. Um seine künstlerischen Fertigkeiten zu schärfen, kopierte er die großen Meister im Louvre, darunter Leonardo da Vinci, Peter Paul Rubens, Caravaggio und Tizian. In der „Spanischen Galerie“ von Louis Philippe stieß er auf Diego Velázquez und Francisco de Zurbarán. Unter seinen französischen Zeitgenossen schätzte er Théodore Géricault und Eugène Delacroix, zwei Größen der Romantik, die viele Kapitel der Zeitgeschichte malerisch festhielten.
Über die prägenden Einflüsse der alten Meister und Romantiker hinaus offenbarte sich bei ihm schon früh der Ehrgeiz, die Kunstgeschichte durch einen ganz persönlichen Malstil mitzugestalten.
1848, nachdem Courbet nur wenige Arbeiten im Salon gezeigt hatte, wurden endlich etwa zehn seiner Gemälde angenommen. Man bemerkte ihn, und er knüpfte eine Freundschaft zum Kunstkritiker Champfleury. Bald darauf folgte die öffentliche Anerkennung. Einige seiner Werke indes wurden mit völligem Unverständnis aufgenommen und provozierten Empörung.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forderte die akademische Tradition, dass großformatige Gemälde ausschließlich historische, biblische, mythologische oder allegorische Themen behandeln sollten. Courbet überging diese Konvention. Er malte eine ihm vertraute Alltagswelt auf verschiedensten Leinwänden. Seine Überzeugung: Auch die Zeitgeschichte, selbst die des einfachen Volkes, verdiente diese imposanten Formate. Mit seiner Aussage, „historische Kunst sei im Wesentlichen zeitgenössisch“, brachte der Künstler seinen Wunsch nach einer Erneuerung der Historienmalerei auf den Punkt.
In dieser Zeit begegnete Courbet Alfred Bruyas, einem wohlhabenden Kunstsammler, der das Gemälde Die Badenden erwarb. Bruyas wurde zum Mäzen des Künstlers, wodurch dieser fortan unabhängig leben und auch international hohe Anerkennung finden konnte.
Doch die Geschichte hält ein bizarres Detail bereit: Um den weiteren Verlauf dieser Reise zu ergründen, lesen Sie unseren nächsten Artikel: Gustave Courbet: „Das Atelier des Künstlers“, Kontroversen und der engagierte Realismus.









